Digitaler Rundgang: To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light

Bildquelle: Adam Broomberg und Oliver Chanarin aus der Serie „TO PHOTOGRAPH THE DETAILS OF A DARK HORSE IN LOW LIGHT“

To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light Die Arbeit „To Photograph the Details of a Dark Horsein Low Light“ der Künstler Adam Broomberg (Südafrika, 1970) und Oliver Chanarin (Großbritannien, 1971) untersucht das Verhältnis von Fotografie und Rassismus. Der Titel „To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light“ bezieht sich auf einen Satz aus einer Werbeanzeige, mit der Kodak in den frühen 1980er Jahren auf ein neues Produkt aufmerksam machte. Die Firma hatte einen Negativfilm auf den Markt gebracht, der es erstmals ermöglichte, dunkle Haut genau wiederzugeben.

Das Seminar hinterfragt die Fotografie als ein machtvolles Instrument der Blickführung (im Kontext ihrer Repräsentationsfunktion) und untersucht die Entwicklungsgeschichte des Mediums und seine Dominanz als eine weiße, normgebende, global wirksame Technik in (post-)kolonialen Gesellschaften.

Die im Seminar entstandenen Arbeiten spiegeln die Beschäftigung sowohl mit dem Fokus der Fotografie wider, als auch die Auseinandersetzung mit medienübergreifenden künstlerischen Positionen und Theorien des postkolonialen, antirassistischen Diskurses.

epidermis – Alida Ellsel

Die Videoarbeit thematisiert die Diskriminierungvon Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, indem sie hinterfragt, was Haut eigentlich ist. Entgegen der subjektiv aufgeladenen Diskriminierung wird ein objektiver, in diesem Fall medizinischer, Begriff der Haut („Epidermis“)gesucht. Die Bildspur des Videos besteht aus Ausschnitten von Aufständen nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd, während dieTonspur aus einer Dokumentation zum Thema Haut stammt. Dabei steht der alarmierende Nachrichten-Charakter im Kontrast zur ruhigen und unbeeindruckten Erzählstimme des Sprechers.

 

Rotes Tuch des Schweigens – Hannah Schumacher

Eine Kritik zur mangelnden Transparenz der Baumwollquellen übersetzt in intransparente Schaufenster.Ich nehme Bezug auf die Uzbek Cotton Pledge, eine Erklärung, dass keine Baumwolle in der Produktionskette aus Uzbekistan stammt, die keine der bearbeitetenFirmen bislang unterschrieben hat, obwohl Uzbekistan institutionalisierte Strukturen der Zwangs-und Kinderarbeit (auch ein Kolonialerbe) nach wie vor zur Baumwollernte benutzt. Ich wollte unbedingt mit dem Material selbst arbeiten und darin zwei Metaphern kombinieren: „sich in Schweigen hüllen“ und „ein rotes Tuch“. Hier habe ich mich für eine rote Jeans aus meinem eigenen Kleiderschrank entschieden (von Inditex‘ Zara, die erst vor kurzem, lange nach der Produktion dieser Jeans, der Cotton Pledge beigetreten sind), die ich zu Zensurbalken zerschnitten habe. (Die Arbeit von Belinda Kazeem-Kaminski hat mich hierbei inspiriert).
Für das Projekt habe ich Schaufenster an der Königsallee in meinem Heimatort Düsseldorf fotografiert (die „Kö“ ist eine der größten „Exklusiv-Shoppingmeilen“ Deutschlands) und wie folgt unter dem Gesichtspunkt Transparenz bearbeitet:

1. Schritt: Gedruckte Fotos zensiert mit Fast Fashion Jeansstoff. Was sich hierbei als wichtig herausgestellt hat, war die Verhüllung des Markennamens, da aus diese das Herz der Industrie sind aus dem am meisten Kapital geschlagen wird und nur so der Eindruck einer Werbekampagne vermieden werden kann. Außerdem ist für diesen Eindruck das Herausquellen der Textur mit starkem Schlagschatten aus den Schaufenstern im Laufe des Prozesses essentiell wichtig geworden, als Zeichen des lebendigen Protests gegenüber der oberflächlichen Glätte des Fotos.

2. Schritt: Bildbearbeitung mit Ebenen-Transparenz im Bereich der Stoffe, sodass hinter der „Fadenscheinigkeit“ in den Falten des Stoffes geisterhaft die Gesichter von Feldarbeitern sichtbar werden.

3. Schritt: Einfügen des Landesumrisses Usbekistans als Silhouette als Ausläufer der Schlagschatten.

 

woher kommst du – Katrin Bucioglu