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Medien-kunst-pädagogische Arbeitstagung in Oldenburg: „Wer hat Angst vor Rot, Grün, Blau?“


[Foto aus dem Projekt „Verstörungen“ von Lühmann/Lüth]

Wer hat Angst vor Rot Grün Blau?
Zum Verhältnis von Medien, Kunst und Pädagogik.

Arbeitstagung/Fortbildung der Medien(Kunst)Pädagogik des ERHfM in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut: Kunst – Textil – Medien der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Oldenburgischen Landschaft

Am Sa und So, dem 4. – 5. Dezember 2010, im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Katharinenstr. 23, 26121 Oldenburg.

Aus dem Tagungskonzept: „Medien, Kunst und Pädagogik gehören nicht unmittelbar und auch nicht reibungslos zusammen. Sie müssen jeweils aufeinander angewendet werden. Wie aber geschieht diese Anwendung im ERHfM und an anderen Orten der Medienkunstvermittlung? Diese Tagung will die Diskussion über pädagogische Arbeit „von Medienkunst aus“ in Ausstellungshäusern, Schulen und an anderen Lernorten anstoßen.“

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!
Die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmebescheinigungen können ausgestellt werden.
Anmeldung zur Tagung bei: sandrine.teuber@stadt-oldenburg.de, tel. 0441-235-2887, fax 0441-235-3145

Zudem bemühen wir uns, für auswärtige Studierende günstige Übernachtungsmöglichkeiten zu organisieren. Anfragen dazu bitte an schlafplatz@donrossi.de.

Weitere und genauere Informationen zur Tagung und zum Programm erhalten Sie unter www.edith-russ-haus.de/index.php/Kunstvermittlung oder per Mail: vermittlung-erh@web.de

Tagungshinweise

Ich möchte auf zwei sehr interessante Tagungen im November diesen Jahres hinweisen. Die erste findet in Zürich statt, die zweite in Hamburg.

1. Medienbildung im Spannungsfeld medienpädagogischer Leitbegriffe
Die diesjährige Herbsttagung der DGfE-Sektion Medienpädagogik findet am 4. und 5. November 2010 an der PH Zürich statt. Organisiert wird sie von Prof. Dr. Heinz Moser unter Mitwirkung des Fachbereichs Medienpädagogik der PH Zürich (Prof. Dr. Thomas Merz).

„Das Tagungsthema nimmt darauf Bezug, dass sich in letzter Zeit um den Schlüsselbegriff der Medienbildung eine breite Diskussion entwickelt hat, welche den Stellenwert dieses Begriffs im medienpädagogischen Diskurs unterschiedlich beurteilt. kontrovers diskutiert. Aus diesem Anlass soll es an der Tagung darum gehen, zentrale Begriffe von Medienpädagogik/ Medienbildung zu schärfen. Dementsprechend soll im Ablauf der Tagung vermehrt die Möglichkeit zu Diskussionen bestehen. Neben eingeladenen Referentinnen und Referenten soll auch weiteren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Überlegungen vorzutragen.
An der Tagung stehen u.a. Fragen im Zentrum wie:

  • Wie stehen die Leitbegriffe der Medienkompetenz, Medienerziehung und Medienbildung zueinander?
  • In welchem Verhältnis zu den beiden genannten Begriffen steht das im anglo-amerikanischen Raum favorisierte Konzept der «Media literacy»?
  • Wie weit ist es sinnvoll den Bildungsbegriff der erziehungswissenschaftlichen Tradition in die medienpädagogische Diskussion aufzunehmen?
  • Welche Bedeutung hat der Begriff der Medienbildung in den verschiedenen – schulischen und ausserschulischen – medienpädagogischen Feldern?
  • In welchem Verhältnis stehen Medienbildung und Medienerziehung zueinander?
  • Wie ist das Verhältnis von Medienbildung und Mediendidaktik zu konzipieren? […]
  • Lesen sie hier das gesamte Programm der Tagung!

    2. Bilderverbot

    Die Tagung »Bilderverbot« findet am 19. und 20. November 2010 in der Universität Hamburg (Rm 206, VMP8) statt. Es lädt ein Karl-Josef Pazzini, [FuL] in Kooperation mit der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie, Bewegungswissenschaft, der Akademie der Weltreligionen und dem Jüdischen Salon am Grindel e.V.

    Auszug aus der Ankündigung:

    „Du sollst Dir kein Bildnis machen! – Das »Bilderverbot« ist merkwürdig. Das Gebot war zu hören, wurde auf Gesetztafeln geschrieben, kann vorgelesen und wieder gehört werden. Dieser Text aus der Bibel und seine dortige Umgebung evozieren immer wieder Bilder, auch und gerade von diesem Gott, der eigentlich nicht einmal dort geschrieben steht. Moses wird lediglich gestattet, einen Blick auf den Rücken Gottes zu werfen. Von den Effekten von Gottes Handeln drängten sich Bilder auf.
    Das Bilderverbot führt nicht zur Ausschaltung von Bildern. Wahrscheinlich ist das so, weil das Verbot nur die Unmöglichkeit eines Bildes verbirgt. Es sind offenbar keine Bilder möglich, die das Abgebildete beherrschbar machen. Das Bilderverbot spricht davon, dass etwas der Symbolisierung entweicht. Es bleibt etwas jenseits.

    Eine andere Version wäre: Du sollst Dir kein Abbild machen!
    Es solle kein Gebilde geschaffen werden, das den Eindruck erwecken könnte, dass etwas, das man in der Vorstellung oder auch „außen“ sehen und fühlen kann, repräsentiert werden und man diese (auch symbolische) Verdinglichung besitzen könne. […]“

    Lesen Sie hier das vollständige und höchst interessante Programm der Tagung (als pdf-Flyer)!

    Bericht vom 3. Magdeburger Theorieforum »Zeit, Medialität und Bildung«

    Benjamin Jörissen hat dankenswerterweise einen sehr schönen und ausführlichen Bericht vom letzten Magedeburger Theorieforum geschrieben, an dem ich auch mit einem Vortrag zu »Memento – Zur Zeitlichkeit des Films und seiner Erfahrung« teilgenommen habe:

    „Am 2./3. Juli 2010 fand an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg das 3. Magdeburger Theorieforum als gemeinsame Veranstaltung des Lehrstuhls Allgemeine Pädagogik, des Lehrstuhls für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung und Medienbildung unter Berücksichtigung der Erwachsenen- und Weiterbildung und der DGfE-Sektion Medienpädagogik, organisiert von Benjamin Jörissen, Winfried Marotzki und Johannes Fromme, statt. Insgesamt war es damit die vierte Veranstaltung dieser – im Jahr 2005 von der „Theorie-AG“ der damaligen Kommission Medienpädagogik initiierten – Form. Ziel des Theorieforums, das sich als regelmäßiges Ergänzungsangebot zu den beiden jährlich angebotenen Tagungen der Sektion Medienpädagogik versteht, ist es, zentrale Theoriediskurse aufzugreifen, zu bündeln und ohne den Druck der Transformation in handlungsrelevante Konzepte – sowie in großzügig bemessenem Zeitrahmen – zu diskutieren. Das diesjährige Thema „Zeit, Medialität und Bildung“ bot einen Einblick in die Komplexität des virulenten und auch theoretisch sehr anspruchsvollen Problems medialer dynamisierter, transformierter und diversifizierter Zeitverhältnisse. Die vier Vorträge gaben dabei einen Einblick in unterschiedliche medialisierte Zeitphänomene – wie Beschleunigung, Zirkularität, Gegenwärtigkeit und Rhythmisierung:

    1) Horst Niesyto (PH Ludwigsburg) warf unter Rekurs auf Hartmut Rosas Analysen zur potenzierten Dynamisierung von Zeitverhältnissen einen kritischen Blick auf „Bildungsprozesse unter Bedingungen medialer Beschleunigung“. Bildungsprozesse benötigen als Erfahrungs- und Lernprozesse Zeit. Diese Zeit entzieht sich insbesondere in (medien-) ästhetischen Reflexionsformen dem chronologischen Zeitbegriff; sie ist Zeit für streunende Suchbewegungen, gleichsam also tentative Bildungszeit. An zwei medialen Phänomenfeldern – Kino/TV sowie digitale Medien – wurden vor diesem Hintergrund Bildungs- und Reflexionspotenziale erörtert. In beiden Feldern zeigte Horst Niesyto unter Zurückweisung medienzentristischer Wirkungsmodelle auf, dass mediale Beschleunigungsphänomene mit kritischer Aufmerksamkeit, aber differenziert zu betrachten sind. So stellt er fest, dass zwar generell eine Transformation zur „episodischen Aufmerksamkeitserregungskultur“ nicht förderlich für einen distanziert-reflexiven Blick, etwa für bewusste Perspektivwechsel, sein kann. Jedoch sei der einseitige Blick auf explizit-verbale Formen von Reflexivität zugunsten eines diversitätsorientierten Verständnisses unterschiedlichen Formen und Kulturen von Reflexivität zu erweitern. So wird sichtbar, dass in medial veränderten Zeitverhältnissen auch neue Formen von Reflexivität entstehen können, die etwa mit kulturell wandelnden ästhetischen Aneignungsmustern oder mit neuen, kollaborativen Formen von Reflexivität in digitalen Räumen einhergehen. Diese aber seien jedoch oft voraussetzungsreich, insofern sie auf bereits vorhandenen Literacies aufbauen. Medien, und insbesondere digitale Medien, schaffen daher ein Feld der Wahlfreiheit, das digitale Ungleichheit zu verstärken droht. Aufgabe der Medienpädagogik sei es angesichts dessen, diese gegebenen Voraussetzungen stärker zu berücksichtigen, dabei die Diversität von Reflexionsformen anzuerkennen und zu beobachten, um schließlich auch Anschlüsse zu ermöglichen und zwischen unterschiedlichen Medienkulturen vermitteln zu können.

    2) Der Vortrag von Manuel Zahn (Univ. Hamburg/Univ. Oldenburg) mit dem Titel „‚Memento‘ – zur Zeitlichkeit des Films und seiner Erfahrung“ thematisierte aus differenztheoretischer Perspektive die Frage, wie Zeit im Film als Medium gegenständlich werden kann. Unter Rekurs auf Heidegger, Derrida und Deleuze zeigte er auf, dass subjektive Selbstverhältnisse aus dieser Perspektive als nie gegenwärtig, sondern immer schon in mediale Zeitverhältnisse eingelagert betrachtet werden. Die Dichotomie von medialer Objektzeit und subjektiver Eigenzeit oder Bewusstseinszeit vs. Technozeit wird somit dekonstruiert, so dass der Blick auf eine konstitutive Verschränkung von Medialität und Zeit frei wird: der Sinn der ästhetischen Form, so argumentierte Zahn mit Martin Seel, sei die Zeit. Jede Gestaltung disponiere die Zeit der Betrachtung. In diesem Sinne geben Filme den Zuschauern Zeit; sie „laden zu einem besonderen Vollzug von Zeit ein“. Allerdings differenzierte der Vortrag an dieser Stelle kritisch: das Kino als Mannigfaltigkeit von Bewegtbildern ahme – insbesondere im Blockbuster-Kino – lediglich subjektzentrierte Wahrnehmungsformen nach, die es somit reproduziert und zur Norm erhebt. Dagegen setzt Zahn den Deleuze’schen Begriff der filmischen Zeitbilder. Zeitbildfilme zeigten eine Bewegung der Zeit, welche nicht der Wahrnehmungsordnung entsprechen, und verweisen somit auf ein komplexeres Zeitmodell, bei dem Zeiten ineinander und nebeneinander existieren. Dies temporale Pluralität einer sich prozessural differenzierenden Zeit explizierte Manuel Zahn schließlich anhand des Films „Memento“ und zeigte damit dessen immanente zeittheoretische Komplexität auf. […]“

    Lesen Sie den vollständigen Bericht auf dem Weblog von Benjamin Joerissen!

    Sujet Supposé Savoir – Festschrift für Karl-Josef Pazzini

    Lange war es ein gut gehütetes Geheimprojekt, das insbesondere uns Herausgebern einen Riesenspaß gemacht hat. Vorgestern wurde es anlässlich der Feier zum 60. Geburtstag von Karl-Josef Pazzini endlich enthüllt:

    Meyer, Torsten; Crommelin, Adrienne; Zahn, Manuel (Hg.): Sujet supposé savoir. Zum Moment der Übertragung in Kunst Pädagogik Psychoanalyse, Berlin: Kadmos 2010

    Es ist ein wunderschönes 384-Seiten-Buch geworden mit Texten und künstlerischen Interventionen von insgesamt 48 BeiträgerInnen:
    Bernhard Balkenhol, Johannes Bilstein, Klaus Peter Busse, Adrienne van Wickevoort Crommelin, Ulrike Oudée Dünkelsbühler, Hermann Ehmer, Gottfried Fliedl, Ruth Golan, Peter Gorsen, Marcus Gossolt, Susanne Gottlob, Insa Härtel, Helmut Hartwig, Johannes M. Hedinger, Klara Klipstein, Wolfgang Knapp, Rainer Kokemohr, Hans-Christoph Koller, Elke Krystufek, Wolfgang Legler, Michael Lingner, Hinrich Lühmann, Pierangelo Maset, Torsten Meyer, Michael Meyer zum Wischen, André Michels, Peter Müller, Peter Piller, Erik Porath, Rahel Puffert, Ulrich Puritz, Claus-Dieter Rath, Avi Rybniki, Andrea Sabisch, Olaf Sanders, Hans-Peter Scharlach, Ulrich Schötker, Marianne Schuller, Andrea Schütt, Eva Sturm, Martin Warnke, Rivka Warshawsky, Tanja Wetzel, Peter Widmer, Michael Wimmer, Gereon Wulftange, Manuel Zahn, Gerhard Zenaty.

    Klappentext:
    Das von Jacques Lacan als »sujet supposé savoir« (re-)formulierte Konzept der Übertragung ist nicht allein für die Psychoanalyse zentral, sondern auch für eine Pädagogik, die Lehre, Lernen und Bildung nicht nur als Übermittlung von Informationen von einer Generation an die nächste konzipiert, und ebenso für ein medientheoretisch aufgeklärtes Denken der Kunst, welches Kunst in erster Linie als kommunikativen Effekt zwischen Produzent und Rezipient versteht.
    Mit der Figur des »sujet supposé savoir« wird das Verhältnis von Fiktion, Wissen und Begehren thematisiert. Es geht um die Frage, wie in der Übertragung als Wendung an den Anderen ein Wissen generiert wird und welcher Art dieses ist.
    Die Beiträge des Sammelbandes widmen sich der Übertragung und ihren Effekten aus den unterschiedlichen Feldern und institutionellen Kontexten der Kunst und ihrer Vermittlung, der Pädagogik und der Psychoanalyse. Dabei verstehen sich die Beiträge nicht allein als Ergebnisse eines Nachdenkens über die Übertragung. Bei ihrer Entstehung war in einem je spezifischen Sinn die Übertragung selbst am Werk – ihnen ist gemeinsam, dass sie sich einem ganz besonderen »Sujet« zuwenden: Karl-Josef Pazzini, dem dieses Buch gewidmet ist.

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