Andreas Broeckmann: Machenlassen als künstlerische Praxis (18.11.2025)
Abstract
Der neue, allgegenwärtige Einsatz von Systemen der sogenannten Künstlichen Intelligenz ruft für die künstlerische Praxis konzeptionelle und ästhetische Herausforderungen auf den Plan, die, so die These des Vortrags, die moderne und zeitgenössische Kunst in ähnlicher Weise seit langem umtreiben. Im Zentrum steht dabei die Frage, was es für Künstler*in und künstlerische Praxis, für das Kunstwerk, seine Bedeutung und Rezeption bedeutet, wenn künstlerische Entscheidungen nicht aufgrund von individuellem Ausdruckswillen, unbewusster Intuition oder handwerklichem Wissen und Können gefällt werden, sondern diese Entscheidungen an ein automatisiertes technisches System delegiert werden. Anhand der Werke von Künstler*innen wie John Cage, Vera Molnar, Hans Haacke, Sol Lewitt oder Anna Ridler erkundet der Vortrag Varianten künstlerischer Autorschaft, diskutiert die Anwendung von Kontroll- und Regelsystemen in der künstlerischen Praxis und fragt nach dem Unterschied zwischen der Ausführung von Regeln einerseits und Formen technischer Automatisierung andererseits.
Bildcredits: Hans Haacke, Condensation Cube (1963)
Info
Dr. habil. Andreas Broeckmann ist Kunstwissenschaftler und Kurator und lebt in Berlin. Er ist Gastprofessor im PhD Programm der Malmö Art Academy und unterrichtet an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er ist Privatdozent an der Leuphana Universität Lüneburg und forscht im Rahmen des Dokumentationsprojekt Les Immatériaux Research (DFG-Förderung 2021–2024). Er leitete von 2011-2016 das Leuphana Arts Program in Lüneburg und war Gründungsdirektor des Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität (2009-2011) sowie Künstlerischer Leiter der transmediale, Festival für Kunst und Digitale Kultur Berlin (2000-2007), und der ISEA2010 RUHR, dem 16th International Symposium on Electronic Art im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Die Monografie „Machine Art in the Twentieth Century“ erschien 2016 bei MIT-Press, Broeckmanns Buch „The Making of Les Immatériaux“ 2025 bei Meson Press.
