Gastvortrag Lukas Sonnemann (Osnabrück): dis/play: Zwischen-bildliche Erfahrungen und ästhetische Situierungen im Medium Ausstellung
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Ausstellungen sind mehr als bloße Präsentationen von Kunst. Sie bilden komplexe Erfahrungsräume, in denen sich ästhetische, hermeneutische, leibliche und affektive Erfahrungsweisen kreuzen und sie übersteigen eine bloße Präsenz, weil sie in historische, kulturelle und institutionelle Dispositive eingelassen sind. Ebenso wenig lassen sie sich auf bloße Ansammlungen von Objekten reduzieren, denn durch die kuratorische Inszenierung werden sowohl Übergänge zwischen Bildern angebahnt als auch Assoziationen zu abwesenden Bildern evoziert (vgl. Sabisch/Zahn 2018; Pazzini 2015). Sie bilden somit mehr als ein kohärentes Ganzes und sind als „Konstellationen“ (Prinz 2021) mehr als die Summe ihrer Teile.
Subjekte, die eine Ausstellung erfahren, sind somit auf höchst komplexe Weise involviert, was sowohl ihre impliziten und habituellen Vorerfahrungen einschließt als auch deren potenzielle Transformation.
Obwohl Ausstellungen die zentrale Infrastruktur des aktuellen Kunstbetriebs bilden, liegen bislang nur wenige Arbeiten vor, die sich den Prozessen und Dynamiken von Ausstellungserfahrungen widmen und diese theoretisch und empirisch reflektieren. Gerade für die kunstpädagogische Praxis und Theorie sind Ausstellungen nach dem „Curatorial Turn“ (Meyer 2014) sowohl als Gegenstand als auch als kunstpädagogisches Paradigma von zentralem Interesse.
Ausgehend von seinem (auto-)ethnografischen Dissertationsprojekt zeigt Lukas Sonnemann Einblicke in die komplexe prozessuale Struktur und Dynamik von Ausstellungserfahrung. Dort stellt er dar, wie sich (ästhetische) Erfahrungen in Ausstellungen als probende Antwortversuche zeitigen und wissenschaftlich rekonstruieren lassen. Dabei unterstreicht er die situative Verankerung dieser Erfahrungsweisen, die sowohl die expositorischen Infrastrukturen und displays, als auch die räumliche Situierung und subjektive Perspektivierung miteinschließt. Über seine Arbeit hinausweisend entwickelt er hieran anschließend Impulse für ein in grundlegender Weise situiertes Verständnis ästhetischer Bildungsprozesse.
Meyer, Torsten (2014): Für einen Curatorial Turn in der Kunstpädagogik. In: Meyer, Torsten/Kolb, Gila (Hrsg.): What’s Next? Art Education. Ein Reader. München: kopaed. S. 220–222.
Pazzini, Karl-Josef (2015): Bildung vor Bildern. Kunst. Pädagogik. Psychoanalyse. Bielefeld: transcript.
Prinz, Sophia (2021): konstellieren. In: wissenderkuenste.de, Ausgabe 10. Quelle: https://wissenderkuenste.de/texte/10-2/konstellieren/pdf/. [Zugriff: 20.12.2023].
Sabisch, Andrea/Zahn, Manuel (Hrsg.): Visuelle Assoziationen – Bildkonstellationen und Denkbewegungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Hamburg: Textem.
Lukas Sonnemann ist aktuell Gastprofessor an der UdK Berlin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunst/Kunstpädagogik der Universität Osnabrück. Er promovierte 2026 in der Kunstpädagogik an der Universität Hamburg mit der Dissertation: „Das Bildliche als Passage: Zwischen-bildliche Erfahrungsweisen im Medium Ausstellung“. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kunstpädagogik/Kunstvermittlung, phänomenologische Bild- und Medientheorie, sowie qualitative Methoden und Methodologien.
Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden, externen Interessierten etc. sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie in Ilias. (Externe Interessierte melden sich bitte per mail bei Nabi Wenke: nwenke1@uni-koeln.de
Das Semesterprogramm der Ringvorlesung Kunstpädagogische Positionen findet sich hier.
Hinweise zur Barrierefreiheit:
Die Veranstaltung findet in der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, Gebäude 216, in der Gronewaldstr. 2 statt. Die Eingänge liegen zur Herbert-Lewin-Str. Das gesamte Gebäude ist ebenerdig gelegen und weitere Etagen sind mit Aufzügen erreichbar. Die Eingänge sind für die meisten Rollstühle, Kinderwagen und Gehhilfen breit genug. Die Türen können elektronisch geöffnet werden.
Die Veranstaltungsräume THEATER, MBR und LAB befinden sich im 2. Obergeschoss des BT2 (Bauteil 2), das am besten über den nördlichen Eingang an der Ostseite in Richtung des Kanals zu erreichen ist. Ein Aufzug ist vorhanden, allerdings müssen Zwischentüren durchquert werden, welche nur teilweise elektrisch zu öffnen sind, sodass zusätzliche Unterstützung notwendig sein kann.
In diesem Gebäudeteil gibt es keine Toiletten. Die nächsten Toiletten befinden sich im BT1 (Hauptgebäude), das mit dem Fahrstuhl und teilweise elektrischen Türen erreichbar ist. Im BT1 befinden sich binär getrennte Toiletten, welche rollstuhlgerecht erreicht werden können. Das behindertengerechte WC befindet sich im Erdgeschoss. Das WC ist ausgestattet mit einer Toilette und einer Dusche. Zugänglich ist das WC mit dem Euro-Behinderten-WC-Schlüssel, der auch beim Hausmeister dieses Gebäudes zu entleihen ist. Die nächsten Toiletten für alle Geschlechter befinden sich im Untergeschoss im BT2 und ist ebenfalls mit Fahrstuhl zu erreichen. Der Zugang zu diesen Toiletten ist während der regulären Öffnungszeiten gewährleistet.
Bildcredits: Akinori Tao (2020), Ausstellungsansicht „Das bleibt unter uns.“ Muhry, Hamburg. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.