[DANK TALKS] mit Emely Egger und Charlotte Leonore Schwarz
Charlotte Leonore Schwarz: Let’s Brainrot Together.
Brainrot – ein Neologismus aus der Jugendsprache, der mit dem Konsum unproduktiver und zeitraubender Inhalte auf Social-Media-Plattformen wie TikTok konnotiert wird. Das Meme-Phänomen verdeutlicht das Verschwimmen der Grenzen zwischen analogen und digitalen Lebenswelten und macht damit einmal mehr das postdigitale Aushandlungsfeld sichtbar, in dem wir uns bewegen. Nonsens fungiert hierbei als kollektive Praxis. Klare Botschaften treten in den Hintergrund; stattdessen wirken die hyperrealen Bildwelten als affektive Schutzräume, in denen Emotionen in ein humorbasiertes, indirektes Vokabular übersetzt werden. Diese Bilder bewegen sich jedoch in einem paradoxen Spannungsfeld: Einerseits operieren sie mit ästhetischen Überforderungsstrategien, die sich klarer Bedeutung und eindeutiger Interpretation entziehen; andererseits tragen sie mitunter zur Vereinfachung kultureller Identitäten bei. Let’s brainrot together – im Kontext von kollektivem Nonsens sowie ästhetischen und kulturellen Ambivalenzen.
Charlotte Schwarz arbeitet an der Universität Mozarteum Salzburg – Bildnerische Innsbruck – im Forschungsprojekt ProQ-STEAM und widmet sich derzeit ihrer Dissertation im Bereich der Kunstdidaktik. In ihrer Forschung setzt sie sich mit postdigitalen Bildwelten auseinander und untersucht, wie diese in kunstpädagogischen Kontexten wirksam werden können. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Frage, wie postdigitale Bilder in Bildungsprozessen der Kunstvermittlung genutzt werden können, um Lehr-Lern-Prozesse kollaborativ und zeitgemäß neu zu gestalten.
Emely Egger: About Cult – Modesty-Culture und Influencerinnen
In der Mini-Studie wird die analytische Tragfähigkeit des Begriffs „Cult“ unter den Bedingungen digitaler Vergemeinschaftungsaspekte untersucht. Im Fokus steht das Phänomen der Modesty Culture, insbesondere in seiner Vermittlung durch christliche Influencerinnen. Bisherige Cult-Definitionen sind an physische Ko-Präsenz und räumliche Gebundenheit gekoppelt. Dabei werden digitale Interaktionsformen bislang unzureichend berücksichtigt. Anhand einer exemplarischen Diskursanalyse werden Parallelen zwischen traditionellen Cult-Techniken und spezifischen Social-Media Features bzw. Komunikationsstrategien sozialer Medien und deren Content-Creatorinnen herausgearbeitet und im Hinblick auf das Konzept eines „Digital Cult“ diskutiert. Ziel der Arbeit ist es, die Frage nach einer (möglichen) Notwendigkeit der begrifflichen Erweiterung des Cult-Begriffs im Kontext digitaler Medien zu reflektieren.
Emely Egger studierte Kindheitspädagogik (B.A.) und absolviert derzeit den Masterstudiengang Kulturvermittlung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Ihr Forschungsinteresse gilt dem Einfluss digitaler und medialer Prozesse auf Gesellschaft und soziale Gruppen, insbesondere an der Schnittstelle von Kultur und Kindheit.
Die Vorträge finden im Rahmen des Projekts DANK TALKS des DANK IMAGES Research Networks statt. Alle Interessierten sind herzlich Willkommen!
Organisation: Christina Vollmert (Universität zu Köln), Konstanze Schütze (PH Karlsruhe), Jan Grünwald (Mozarteum Salzburg/Innsbruck)
Veranstaltungsort: Zoom via Universität zu Köln | Zoom-Zugang
Bildcredits: Zoë Roth, Disaster Girl / Bildbearbeitung: Sarah Wölker