Neue Episode Respectful Nettheatrechannel: Sich-Aussetzen in Social Media. Bedingungen für kritische künstlerische Interventionen
Der „The Respectful Nettheatrchannel“ – Projekt für Gespräche und Forschung zu Theater/Performance und Digitalität – stellt eine neue Episode vor.
Wir freuen uns besonders, dass diesmal Studierende des Faches Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln mit eigenen Projekten teilnahmen.
Sich-Aussetzen in Social Media. Bedingungen für kritische künstlerische Interventionen
Soziale Medien sind nicht nur technologische Umgebungen für nette Selbstdarstellungen. Sie sind vor allem eine politische Kampfzone. Denn sie sind nicht nur eng verbunden mit Hass wie z.B. in Shitstorms, sondern werden auch eingesetzt für die Radikalisierung von Nutzer*innen durch rechte Gruppierungen oder die Einflussnahme, Überwachung und Verfolgung durch autokratische Regime und Tech-Mogul – derzeit unter dem Begriff eines „Technofaschismus“ zusammengefasst. Dabei haben es die menschlichen Agierenden ausgiebig mit KI zu tun, die mit automatisch generiertem Content wirksam wird.
Was heißt es, sich in diesen Bedingungen mit interventionistischen Anliegen in Soziale Medien einzubringen? Sind Interventionen noch eine Form des Widerstandes, oder schon eine Marke? Welche Ästhetiken funktionieren noch für einen kritisch-reflektierenden Zugang in Sozialen Medien? Es steht mithin in Frage, ob und wie unter diesen technologischen, sozialen und politischen Bedingungen so etwas wie Kritik oder gar Aufklärung sowie Transformation/Other Worlding, Verantwortung, und Care for Technology möglich sind.
Diese Fragen werden an 3 künstlerischen Projekte/Performances in Sozialen Medien verhandelt, in denen sich die Performenden mit sensiblen Themen wie Gendernormen, Diversität und Gleichstellung, oder rechter Populismus auseinandersetzen und sich dabei Sozialen Medien aussetzen. Was bedeutet dieses Sich-Aus-Setzen? Geht es um ein „Sich-Verletztlich-Machen“ als interventionistische Strategie, oder eher um ein „Aussetzen“, im Sinne von Umgehen oder Stillstellen? Anton Lenczyk, Loris Risch und Caspar Weimann stellen ihre Arbeiten vor und diskutieren sie mit den Medien- und Kulturwissenschaftler*innen Katrin Köppert und Francis Hunger.
Teilnehmer*innen
Anton Lenczyk: Student im Studiengang Intermedia der Universität zu Köln. Vorgestelltes Werk: Un/Sichtbarkeit und Gaze auf TikTok, Modulabschlussprüfung im Rahmen der Forschungswerkstatt mediale Künste bei Karina Nimmerfall und Peter Moormann
Loris Risch (LoRis) Master im Lehramt sonderpädagogische Förderung mit dem Fach Kunst an der Universität zu Köln, derzeit Erweiterungsmaster Gebärdensprache als Unterrichtsfach. Vorgestelltes Werk: Abschlussarbeit zu Queerer Genderperformance und künstlerische Forschung vor (Mai 2025) am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität zu Köln.
Caspar Weimann, Honorarprofessor*in für Schauspiel an der Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg, Initiator*in des onlinetheater.live für partizipatives Theater im Netz. Vorgestelltes Werk: MYKE, Hacking the Manosphere – Interventionen in toxische Männlichkeit.
Wissenschaftler*innen
Katrin Köppert, Medienwissenschaftlerin, seit 2019 Juniorprofessor*in für Kunstgeschichte / populäre Kulturen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, derzeit Vertretung der Professur für Medientheorien an der Humboldt Universität zu Berlin.
Francis Hunger, Künstler und Forscher. Derzeit künstlerischer Mitarbeiter bei Hito Steyerl an der Akademie der Bildenden Künste in München.
Konzeption und Moderation: Martina Leeker
Postproduktion: Rubina Ünzelmann-Balotsch
Bildcredits: The Respectful Nettheatrechannel mit Screenshots von MYKE, Anton Lenczyk und Loris Risch
Kooperation des Faches Kunst und Kunsttheorie, Universität zu Köln und The Respectful Nettheatrechannel.
© The Respectful Nettheatrechannel, Oktober 2025