(fünf-minütiger Kurz-Vortrag, Performance o.Ä.)
Metaphern, Mythen, Macht und die Politiken der KI
Rund um generative KI-Systeme haben sich in kurzer Zeit wirkmächtige Erzählungen verdichtet: KI als effektives Werkzeug in den Händen des souveränen Subjekts. KI als Spiegel menschlicher Kreativität. KI als demokratisierende Kraft. KI als Bedrohung, als Beschleuniger, als oberste Wissensinstanz. Diese Narrative sind keine bloßen Vereinfachungen, sondern beziehen sich auf Mythen, als machtvolle Erzählweisen, die unser Verständnis der Welt beeinflussen. Mythen leisten zweierlei: Nach Hans Blumenbergs Begriff der Arbeit am Mythos machen sie das Ungreifbare und Unkontrollierbare handhabbar und geben dem Unentschiedenen eine Gestalt und Logik. Zugleich stellen sie, wie Roland Barthes gezeigt hat, politische Entscheidungen als alternativlos und gegeben dar. Sie verbergen Interessen und Machtverhältnisse hinter der Oberfläche einer scheinbar neutralen Technologie – und prägen so, wonach wir fragen und wonach wir nicht mehr fragen. Im Hinblick auf generative KI-Systeme fungieren Mythen als Versuch der Bewältigung des Überwältigenden.
Mit dem Call for Lightning Talks Metaphern, Mythen, Macht fragen wir nach den Politiken der KI – nach den Machtverhältnissen, die in algorithmische Systeme eingeschrieben sind und durch sie (re-)produziert werden. Das Ziel ist es, mittels kunstpädagogischer, ästhetischer und bildungstheoretischer Zugänge sichtbar zu machen, was Mythen und metaphorische Erzählungen zu verbergen tendieren, und Impulse zur Tagung After Prompt. Arts Education and (the Politics of) AI zu bieten.
Das Format
Wir suchen wissenschaftliche Beiträge für fünf-minütige Lightning Talks (Kurz-Vortrag, Performance o. Ä.), die aktuelle KI-Debatten im Kontext von Kunst, Bildung und (Pop-)Kultur aufgreifen, zuspitzen oder irritieren. Ausgangspunkt ist ein mit KI assoziierter Mythos, eine Erzählung, eine Metapher, die gegenwärtig kursiert und die Politiken der KI rahmt oder verdeckt.
Der Lightning Talk benennt den Mythos, analysiert seine Funktion und stellt eine offene Frage. Nicht jeder Mythos muss widerlegt werden. Manche lassen sich als produktive Denkfiguren lesen, die reale Probleme sichtbar machen, während sie andere verbergen. Was uns interessiert: Was macht dieser Mythos? Was lässt er sehen, was lässt er verschwinden? Wem nützt die Erzählung?
Die Beiträge sollen die gemeinsame Diskussion tragen. Die Lightning Talks bilden kein Panel aus Einzelbeiträgen, sondern ein kollektives Inventar: Zusammen entsteht eine partielle Kartografie an Mythen, die den gegenwärtigen Diskurs um KI in Kunst und Bildung gegenwärtig prägen und damit die Grundlage für ein Gespräch darüber, was sich hinter ihnen verbirgt.
Einreichung
Wir laden Beiträge aus Kunstpädagogik, Bildungs- und Medienwissenschaft, Kulturvermittlung, Creative Technology und angrenzenden Disziplinen ein. Willkommen sind sowohl wissenschaftliche als auch künstlerische oder praxisorientierte Zugänge. Gesucht sind keine abgeschlossenen Antworten, sondern präzise Thesen, provokante Fragen, künstlerische Interventionen oder diskursive Impulse, die zum gemeinsamen Weiterdenken einladen.
Für eine Einreichung bitten wir um:
- Titel des Beitrags
- Kurzbeschreibung (max. 100 Wörter): Welchen Mythos, welche Erzählung oder Metapher nehmen Sie in den Blick und welche Frage stellen Sie?
- Kurz-Bio (max. 60 Wörter)
Einreichungen bitte bis zum 04.09.2026 an Hannah Gelbke (hsomme11@uni-koeln.de). Bei Fragen können Sie sich ebenfalls gerne an Hannah Gelbke wenden.
