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Publikationen zur Kunstpädagogik der Resonanz und zum Verhältnis von ästhetischer Praxis und schweigendem Wissen

 

Maset, P. & Hallmann, K. (Hrsg.) (2017) Formate der Kunstvermittlung. Kompetenz – Performanz – Resonanz. Bielefeld: Transcript.
Im Klappentext des Buchs schreiben die Herausgeber:

Begriffe wie »Bildungsstandard« und »Optimierung« haben Wirklichkeiten geschaffen, die uns in einer bestimmten Art und Weise über Bildung nachdenken lassen. In der Kunst haben wir es hingegen mit ereignishaften Singularitäten sowie mit dem Inkommensurablen zu tun. Die letztlich auf Leistungskontrolle fixierte Kompetenzorientierung verfehlt das, was Kunst und Bildung als zentrale Impulse für die menschliche Existenz auszeichnen. Vor diesem Hintergrund stellen die Beiträge dieses Bandes die Dimensionen Performanz und Resonanz als Charakteristik künstlerisch bildender Arbeit heraus.

Ich freue mich, dass ich zu dem m.E. wichtigen Sammelband mit einem Text – Resonanz. Medienökologische Perspektiven der Kunstpädagogik – beitragen konnte.

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Ein weiterer Aufsatz, den ich zusammen mit meinen Hamburger Kollegen Andrea Sabisch und Ole Wollberg verfasst habe, ist schon im »Handbuch Schweigendes Wissen in Lernen, Erziehung, Bildung und Sozialisation« erschienen.

 

In der Ankündigung zum Buch heißt es:

›Schweigendes‹ Wissen spielt eine wichtige Rolle für die soziale Praxis. Für die Erziehungswissenschaft bedeutet dies u.a., Konzepte wie Materialität, Raum, Körper und Visualität in den Blick zu nehmen. Schweigendes Wissen spielt in den Feldern von Lernen und Erziehung, Bildung und Sozialisation insofern eine wichtige Rolle, als neben geplanten, rational fassbaren und anderen expliziten Faktoren auch solche das Handeln in diesen Feldern maßgeblich beeinflussen, die nicht artikuliert zugänglich und kognitiv verfügbar sind. Diese Formationen werden als ›implizites‹, ›praktisches‹, ›unbewusstes‹ Wissen oder als ›Know-how‹ bezeichnet. Im Rahmen der Erziehungswissenschaft geht mit deren Beachtung eine Hinwendung zu Konzepten der Macht, Materialität, Raum, Körper, Visualität oder Virtualität einher.

Darin: Sabisch, A., Wollberg, O. & Zahn, M. (2017): Ästhetische Praxis und Schweigendes Wissen. In: Kraus, Anja | Budde, Jürgen | Hietzge, Maud | Wulf, Christoph (Hrsg.): Handbuch Schweigendes Wissen in Lernen, Erziehung, Bildung und Sozialisation. Weinheim: Beltz Juventa. S. 79-91.

/////// SAVE THE DATE /////// where the magic happens. Bildung nach der Entgrenzung der Künste

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Tagung in Kooperation des Instituts für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln und der wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung e.V.
11. bis 13. Juni 2015, Universität zu Köln

Mit Beiträgen von Dana Caspersen (danacaspersen.com), Ulrike Hentschel (UDK Berlin), Heinrich Lüber (ZHdK Zürich), Karl-Josef Pazzini (Uni Hamburg/Berlin), Stefan Porombka (UDK Berlin) und vielen anderen mehr.

Die Künste haben das Gefängnis ihrer Autonomie verlassen. Im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert reicht der Gegenstand künstlerischer Aktivitäten über die traditionellen Grenzen der Fächer Kunst, Musik, Tanz, Theater usw. hinaus in den medienkulturellen Alltag und bis ins wissenschaftliche Experimentieren hinein. Die Zuständigkeiten für das Wahre, Schöne und Gute sind unklar geworden. In einer von kultureller Globalisierung geprägten Welt konturieren sich Praktiken der Produktion von Bedeutung zwischen Künsten, Moral, Wissenschaft, Recht und Politik.
Mit dem postautonomen Verständnis von Kunst gehen zwei Bewegungen einher: zum einen wird im Zuge eines konsequenten Weltlichwerdens die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst destabilisiert, zum anderen vernetzen sich die Künste untereinander. Transzendentale Bezugspunkte für die traditionellen Sparten der Hochkultur gibt es nicht mehr. Nicht mehr im Ideal eurozentrischer Klassik, noch in der Reinheit des ungestörten White Cubes, Konzert- oder Theatersaals. Kunst findet statt im Global Contemporary. Im Hier und Jetzt und auf dem Boden alltagskultureller Tatsachen.
Das Tagungsvorhaben befasst sich mit den Bedingungen, Möglichkeiten und dem „magischen Potential“ der Bildung an/durch/mit den Künsten vor dem Hintergrund eines sehr deutlich erweiterten Begriffs von Kunst – fokussiert auf Performance, künstlerische Forschung und aktuelle Medienkultur.

Performance ist Experiment in und mit der Alltagswirklichkeit. Performer und Teilhabende machen außergewöhnliche Erfahrungen an den Grenzen des Üblichen. Wann und wie werden diese Erfahrungen ästhetisch, wann/wie sogar magisch? Was trägt solche prozesshaften Weisen des Erfahrens? Welche vorbildhaften performativen Formate und Methoden existieren in und zwischen bildender Kunst, Musik, Theater, Tanz, Bildung und Politik?Wie werden die für ästhetische Erfahrungen konstitutiven Entgrenzungen des Subjekts bildend wirksam?

Künstlerische Forschung ist Welterschließung durch künstlerische Praktiken. Wie/wann/wo können künstlerische Prozesse als Erkenntnisprozesse verstanden werden? Können künstlerische Forschungsprozesse als zeitgemäße, weil den gegenwärtigen kulturellen Umweltbedingungen angemessene Form der Produktion, Anwendung und Kommunikation von Wissen gelten? Gilt das für professionelle Forschungs- und/oder/auch Bildungszusammenhänge?

Aktuelle Medienkultur ist die natürliche Umgebung der Generation C. Die Künstler und Kreativen beziehen sich nicht mehr auf ein Feld der Kunst als Hochkulturmuseum, sondern auf die globale Zeitgenossenschaft als die von allen geteilte Welt. Sie gehen um mit komplexeren Formen von Darstellung und hypermedialer Intertextualität als jede Generation zuvor. Wo und wie geschieht hier die Magie? Welche ästhetischen Erfahrungen ermöglicht Post-Internet Art? Wie funktioniert ästhetische Bildung im Internet state of mind?

Anmeldung
In Kürze unter kunst.uni-koeln.de/magie

Torsten Meyer
Julia Dick
Peter Moormann

Institut für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln: kunst.uni-koeln.de

„Les Quatre Cents Coups“ in der Reihe „Lehrer-Performances“

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Familie

In der Reihe “Lehrer-Performances. Spiel/Filmbeispiele” zeige ich im April den Film „Les Quatre Cents Coups“ von François Truffaut (F 1959). Im Dialog mit einigen Sequenzen des Films werden Prof. Karl-Josef Pazzini und ich mit dem anwesenden Publikum diskutieren.

Zeit: Montag, 28. April 2014, 20.00 Uhr
Ort: Rm 504, VMP 8

Truffauts Film erzählt einen Ausschnitt aus dem Leben des Jungen Antoine Doinel und bringt dabei unterschiedliche Räume wie Schule, Elternhaus, Kino, Jahrmarkt zur Darstellung, die alle aus erziehungswissenschaflticher Perspektive als Lern- und Bildungsräume verstanden werden können.
Uns interessiert insbesondere die Gegenüberstellung von Schule und Elternhaus, von öffentlichem und privatem Raum, die die erste Hälfte des Films dominiert. Der Film bringt in der Wahrnehmung seiner Zuschauer_innen zwei Räume zusammen, die in unserer sozialen Realität außerhalb des Kinos nur schwer verbunden werden können – und die manchmal auch von Schüler_innen wie von Lehrer_innen auch strikt getrennt gelebt werden wollen. Der Film zeigt einen tatsächlichen Erfahrungsraum, den man sonst nicht sieht.
Mit der Relation von schulischem und familärem Raum ist unseres Erachtens ein unhintergehbares Problem des Lehrerseins thematisiert, zudem jede/r Lehrer_in ein Haltung finden muss.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

4. BDK-Forschungstag in Dresden

Mit den leitenden Fragen „Was gilt es in der Kunstpädagogik zu erforschen? Wie wird geforscht?“ findet vom 18.-19.10.2012 der 4. BDK-Forschungstag in Dresden statt. Er bildet traditionellerweise den Auftakt zum Bundeskongress – dieses Jahr in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden.

Zentrales Anliegen der Veranstaltung ist die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftler/innen und Kunstpädagog/innen im deutschsprachigen Raum, die ein wissenschaftliches Interesse am Fach verfolgen und aktuell im Kontext der Kunstpädagogik forschen oder die Absicht haben, eine Forschung zu beginnen. Den Teilnehmenden soll ein Überblick über die Pluralität aktueller Fragestellungen, Methoden und Theorien und nicht zuletzt interessanter Inhalte gegeben sowie die Möglichkeit zur exemplarischen Erkundung von Forschungswegen eröffnet werden. Die Reflexion des wissenschaftlichen Selbstverständnisses findet in der Schnittmenge von Praxis- und Theoriefeldern der Pädagogik und der Bildenden Kunst, den angrenzenden Theorien von Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften, Philosophie und Psychoanalyse statt. Auch deshalb wird der diesjährige Forschungstag in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden stattfinden, einem Ort der Vermittlung zeitgenössischen Wissens und des interdisziplinären Forschens im Kontext von Wissenschaft, Bildung und Kultur.

In insgesamt 8 Workshops werden die unterschiedlichsten Forschungsthemen, -theorien und -methoden (von der Diskursanalyse über die Ethnographie bis zur Psychoanalyse) vorgestellt und diskutiert. Ich selbst werde einen Workshop zur Erforschung von Filmen über das Lehren in Bezug auf die Psychoanalyse anbieten: „Filme über das Lehren als Übertragungsgeschehen“. Für weitere Informationen siehe unten.

Programm, Anmeldung, Diskussion: bdk-forschungstag.mixxt.de/
Auch: www.facebook.com/BDKForschungstag
Konzeption: Prof. Dr. Christine Heil (Kunsthochschule Mainz), Prof. Dr. Marie-Luise Lange (TU Dresden), Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini (Universität Hamburg) – forschungstag@bdk-online.info
Organisation: Jun.-Prof. Dr. Sara Burkhardt (TU Dresden / BDK-Hochschulreferat) – sara.burkhardt@bdk-online.info

(via net art education)

Coming soon: »Lehr-Performances. Filmische Inszenierungen des Lehrens«

Die Druckvorlage ist beim Verlag, nun kann es nicht mehr lang dauern, bis es wirklich da ist. Der Erscheinungstermin ist nach letztem Planungstand der 9. September 2011:

Zahn, Manuel; Pazzini, Karl-Josef (Hg.): Lehr-Performances. Filmische Inszenierungen des Lehrens (Medienbildung und Gesellschaft), Wiesbaden: VS-Verlag 2011

»Lassen sich in der Analyse von Lehrer-Filmen Teile bestimmter bildungspolitischer, gesellschaftlicher oder kultureller Diskurse freilegen? Ist der Film ein archäologisches Instrument, das durch audiovisuelle Bilder Imaginationsschichten des Lehrens abträgt? Die AutorInnen dieses Bandes betrachten und analysieren aus unterschiedlichen – nicht nur erziehungswissenschaftlichen – Perspektiven die Lehr- und Lehrerdarstellungen in internationalen Spielfilmen, in Fernsehfilmen und TV-Serien. Dabei erschließen sie eine Form der Empirie, die der Film in seiner fiktionalen Verdichtung gegenwärtiger Realität des Lehrens bietet. Durch den konsequenten und theoretisch vielfältigen Bezug auf das filmische Material entsteht ein methodisch interessanter und breiter Einstieg in die andauernde Diskussion um den Lehrerberuf, in historische Betrachtungen und systematische Fragen des Lehrens, des Lernens und ihrer Institutionen.« (Klappentext)

Mit Beiträgen von Sönke Ahrens, Adrienne Crommelin, Hanna Kiper, Gundel Mattenklott, Winfried Pauleit, Karl-Josef Pazzini, Andrea Sabisch, Olaf Sanders, Maarten Simons und Jan Masschelein, Eva Sturm, Jürgen Vogt, Michael Wimmer und Manuel Zahn.

Zur Vorschau gibt es hier noch das Inhaltsverzeichnis des Buchs.

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Rein ins Kino!

Die aktuelle Ausgabe (8/10) von epd-Film Das Kino-Magazin enthält einen Schwerpunkt zum Thema »Film und Schule«.

Auf dem Magazin-Cover heißt es dazu »Herr Lehrer, wir wollen ins Kino! Ein Special über Filmbildung in der Schule«. In die beiden Aussagen lässt sich schon eine Differenz (oder gar ein Dissenz oder eine Inkommposibilität) deuten, die sich dann auch in den Textbeiträgen zum Schwerpunkktthema mitliest. Filmbildung im Kino und Filmbildung in der Schule bedeuten nicht dasselbe, stehen vielleicht sogar gegeneinander – auch wenn Positionen im deutschen medienpädagogischen Diskurs in Begriffen einer »schulischen Filmbildung« das Gegenteil behaupten.
Bei Ansätzen schulischer Filmvermittlung, die dieser medienpädagogischer Prämisse folgen, möchte man die Schülerinnen und Schüler tatsächlich in ihrem Wollen zum Kino (»Herr Lehrer, wir wollen ins Kino!«) als Flucht aus dem Klassenraum und eine Form des Widerstands bestärken.

Die Beiträge »Rein ins Kino« von Rudolf Worschech und »Gegenwelt. Film an der Schule – Muss das überhaupt sein? Ein Einspruch« von Barbara Schweizerhof lassen sich auf der zuvor skizzierten kritischen Fluchtlinie zwischen Kino und Schule lesen.

Winfried Pauleit beschreibt in seinem Beitrag »Die feinen Unterschiede« was die deutsche Medienpädagogik, insbesondere der Diskurs der Filmvermittlung im Spannungsfeld von Kino und Schule (man könnte aber auch noch das Museum, die DVD, das Fernsehen oder das Internet hinzunehmen), durch einen Blick nach Frankreich lernen kann. Der dort entwickelte – und insbesondere durch den Namen Alain Bergala und dessen Buch »Kino als Kunst. Filmvermittlung an der Schule und anderswo« in Deutschland bekannt gewordene – cinéphile Ansatz pädagogischer Filmvermittlung »wendet sich gegen eine ideologiekritische Pädagogik, die den Film unter die Massenmedien subsumiert“. Sie setzt dagegen auf eine Hinwendung zum Film als Kunst und »gutes Objekt«, an dem man sich beispielsweise im Kino (ästhetisch) bildet. Cinéphile Filmbildung ist daher folgerichtig auf Dimensionen subjektiver Film-Erfahrung wie „Beobachtung, Sensibilität“ und auf ein Verständnis des künstlerischen Schaffensprozesses vor dem Hintergrund der Filmgeschichte und des Politischen als ästhetische Form ausgerichtet.

Ein Gespräch zwischen Raimund Gertz und der Hanauer Lehrerin Gela von Detten beleuchtet unter dem Titel »Im Abseits der guten Absichten« die bisherigen Bemühungen schulischer Filmvermittlung an ihrer Schule und im Land Hessen.

Ein Beitrag von Stefan Reinecke, »Profession:Lehrer«, zu Bildern der Schule im Dokumentarfilm rundet das Schwerpunktthema ab und gibt interessante Einsichten in die bevorzugten filmischen Perspektiven auf Schule.

Klassiker des Experimentalfilms im b-movie, Hamburg

An den nächsten 3. Dienstagen des DienstagsKino der KFA im B-Movie sollen in einer Serie aus herausragenden Kurzfilmen der letzten 25 Jahre unterschiedliche Programme entstehen. Das Kurzfilmarchiv der KFA hat zurzeit 26.000 Filme, in diesem kann in vielerlei Richtung geforscht werden.
Der erste Abend, Di., 17. November, ab 20 Uhr, wird dem strukturellen Film gewidmet sein.

»Hier ist das sinnliche Sehvermögen aufgefordert, unkonventioneller zu reagieren. Wer bereit ist, sich im Ungewohnten einzurichten, kann zu ganz eigenen Erfahrungsgrenzen vorstoßen.
Für alle, die auch im Sitzen etwas Bewegung brauchen.«

Der Eintritt ist frei!

Über Pickel und Kirschen…

An dieser Stelle die Links zu zwei Fundstücken, genauer zu einem witzigen und einem eher wahnwitzigen Interview!

Das erste führte¬†Holger Liebs mit Cindy Sherman für die süddeutsche unter anderem über¬†Schönheitswahn, ihre fotographischen Rollenspiele und verstörende Sex-Bilder.

Und ein weiteres Interview von André Müller mit Helmut Berger für FAZ.net. Helmut Berger, ¬†“die Verkörperung des bayerischen Märchenkönigs in dem Film von Luchino Visconti (…), [der] als ‚ÄûWeltstar« (..) noch immer gerne in Talk-, gelegentlich auch Kochshows geladen [wird], in denen er mit seinem gestischen Repertoire fasziniert“.

Der Filmpädagoge Volker Schlöndorff

Schlöndorffs Die Blechtrommel ist einer der stärksten Filmerinnerungen meiner Kindheit. Die allwissende Kommentar-Stimme des kleinen Oskar Mazerath, die grotesken Bilder samt ihrer Figuren, die sein Blick auf die Welt des Nachkriegsdeutschlands hervorbringt, berührten mich und waren umso eindrücklicher, weil ich sie damals nicht begreifen, nicht einordnen konnte.

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Volker Schlöndorff feiert im März diesen Jahres seinen 70sten Geburtstag, ihm wurde im Januar die Carl Zuckmayer Medaille¬†des Landes Rheinland-Pfalz¬†verliehen, er hat seine Biographie veröffentlicht und zudem erinnern Tom Tykwer und Co mit ihrem aktuellen „Deutschland-Film“¬†schwach an den 1978 entstandenen¬†Deutschland im Herbst, an dem auch Schlöndorff mitwirkte. Da ist es doch mehr als begründet, dass¬†kinofenster.de dem „Moralisten“ (Koebner) des deutschen Kinos seine¬†Märzausgabe widmet. Zu lesen gibt es ein¬†Interview, diverse¬†Filmbesprechungen,¬†Hintergrundinformationen und Unterrichtsvorschläge zu seinen Filmen.

Im¬†Interview¬†mit kinofenster.de fordert Schlöndorff den Film als eigenständiges Unterrichtsfach und damit Filmanalysen mit gleicher Selbstverständlichkeit wie Literaturanalysen in der Schule durchzuführen:

„Die Filmsprache selbst wird, im Gegensatz zu Frankreich, selten unterrichtet: Wie kann man Bilder analysieren, Schnittfolgen, den Einsatz von Musik, den dramatischen Erzählbogen eines Films? Literaturanalyse ist etwas Selbstverständliches, Filmanalyse dagegen nicht. Film müsste eigentlich ein Unterrichtsfach sein, aber das ist er nicht.“

Er hält das für nachlässig, da doch die Wichtigkeit des Schulfachs Film angesichts der Bedeutung des Audiovisuellen für die Lebenswelt unserer Gesellschaft offensichtlich sei: „(…)¬†denn Bilder sind viel präsenter als Literatur und ganze Gesellschaften funktionieren nur über das Audiovisuelle.“

Schlöndorff argumentiert wie ein „guter“ Filmpädagoge und absolut konform zum derzeitig geführten Diskurs um die Zukunft der Filmbildung in Deutschland. Ein paar Sätze später aber kann man lesen, dass Schlöndorff selbst seine Film-Bildung nicht in der Schule, sondern im Kino erworben hat. Der Kinosaal war der Ort an dem er anderen Kulturen und für ihn vollig neuen Sichtweisen der Welt erfahrend begegnen konnte. Vom Erhalt, der finanziellen Subventionierung oder gar Vermehrung der Kinos, vor allem der Programm-Kinos und der Kinematheken, als filmische Bildungsinstitutionen spricht er jedoch nicht.

Mit der Idee eine Bildung des Zuschauers im Kino ist auch eine andere begriffliche Konzeption von Bildung verbunden, wie sie beispielsweise Heide Schlüpmann¬†in ihrem Text¬†Filmwissenschaft als Kinowissenschaft mitformuliert.

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