Category Archives: Film

»Peter Tscherkassky – Kino aus der Dunkelkammer«

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Seit Ende Oktober diesen Jahres ist der schöne Dokumentarfilm von Sven von Reden über den Filmemacher Peter Tscherkassky auch auf Youtube zu sehen. Zuerst ausgestrahlt wurde er am 18.10.2014 auf 3sat. Ich schätze Tscherkasskys Found Footage-Filme sehr und habe hier und hier in filmbildungstheoretischer Perspektive über sie geschrieben. Weitere Informationen zum Filmschaffen von Peter Tscherkassky finden sich auf seiner Homepage: http://www.tscherkassky.at.

Anbei die 3sat-Programmankündigung des Dokumentarfilms:

»Durch die Oscar‑ und Cannes‑Erfolge der letzten Jahre gilt Österreich als eine Art Wunderland des europäischen Kinos. Weniger bekannt ist, dass im Bereich des Avantgarde‑Films die Alpenrepublik schon seit den 1960er Jahren eine besondere Stellung innehat. Dafür stehen Namen wie Peter Kubelka, Kurt Kren, Valie Export und seit den 1980er Jahren auch Peter Tscherkassky.
Die Werke des 56‑Jährigen wurden dutzendfach auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Für seinen bislang letzten Film „Coming Attractions“ bekam Tscherkassky den Preis für den besten Kurzfilm, den Premio Orizzonti der Filmfestspiele von Venedig verliehen. Was seine Werke so beliebt macht, ist ihre berauschende sinnliche Qualität. Tscherkassky arbeitet ausschließlich auf analogem Filmmaterial, das er in der Dunkelkammer in vielen Arbeitsschritten selber belichtet. In seinen Filmen konfrontiert er den Kinozuschauer immer wieder mit dem, was ihm gewöhnlich verborgen bleibt: Bildstrich, Perforation und Tonspur bedrängen seine Protagonisten, Testbilder und Markierungen für das Kopierwerk und den Vorführer kreuzen ihren Weg. Die „Anweisungen für eine Licht‑ und Tonmaschine“ (so der Titel einer seiner Arbeiten) werden selbst zum Gegenstand der Filme. Diese selbstreflexive Auseinandersetzung mit dem Material steht in einer langen Tradition avantgardistischen Filmemachens, mit dessen Geschichte Tscherkassky bestens vertraut ist.
In der Dokumentation „Peter Tscherkassky“ erzählt der promovierte Philosoph, worum es ihm in seiner Arbeit geht, und demonstriert in der Dunkelkammer, wie seine Filme in aufwendiger Handarbeit entstehen.«

Neue Fortbildungsreihe zur Filmgeschichte im Metropolis-Kino

L`Arroseur

Gemeinsam mit dem Kommunalen Kino Metropolis und dem Medienreferat am Landesinstitut veranstalte ich eine neue Fortbildungsreihe „KinoFilmGeschichte“. Sie richtet sich an Lehrkräfte, die Filmanalyse oder -produktion im Unterricht einsetzen. Die Fortbildungen sind in das reguläre Programm des Kinos integriert, somit offen für weitere Interessierte wie Studierende und Schüler_innen ab Klasse 10.

Wir gehen davon aus, dass keine Praxis schulischer und außerschulischer Filmbildung ohne die Kenntnis der Genese filmischer Technik und Ästhetik sowie deren Wirkungsweisen auskommt. Der Film mit seiner 120-jährigen Geschichte bietet hierfür ein breites und vielfältiges Erkundungsfeld und das Kommunale Kino ist der ideale Ort, um Filmgeschichte(n) zu sichten und zu besprechen. Die Filmreihe erhebt dabei nicht den Anspruch einen globalen Überblick auf die Filmgeschichte zu geben, sondern sie setzt vielmehr auf regionale Ressourcen, persönliche Zugänge und ihr situiertes Wissen. Dementsprechend stammen die gezeigten Filme größtenteils aus dem Archiv des Metropolis-Kinos und die jeweiligen Filmreferentinnen und -referenten aus der Hamburger Filmvermittlungslandschaft.

Von September bis Dezember wird an insgesamt sieben Abenden Filmgeschichte gezeigt und ihre Zusammenhänge besprochen. Dazu werden jeweils verschiedene Personen in die Filme einführen und ein anschließendes Filmgespräch moderieren. Der erste Teil der Filmreihe widmet sich dem Kinofilm in den Jahren zwischen 1895 und 1945. Zum Auftakt im September werde ich ein Programm zum frühen Kino (1.9.) und Klaus Küchmeister eine Auswahl von frühen amerikanischen Filmen (15.9.) präsentieren. Die Reihe wird im Oktober mit zwei Veranstaltungen zum Avantgardefilm und zum Dokumentarfilm fortgesetzt.

Die Veranstaltungen finden am 01.09., 15.09., 06.10., 27.10., 10.11., 24.11. und 15.12. jeweils um 19 Uhr im Metropolis Kino statt und müssen von Lehrkräften über TIS (https://tis.li-hamburg.de/) einzeln gebucht werden, Nr. 1415S8001 bis Nr. 1415S8007. Dort erhalten Sie auch weitere Informationen. Für die Teilnahme wird ein Materialgeld von 4 Euro pro Abend erhoben.

„Les Quatre Cents Coups“ in der Reihe „Lehrer-Performances“

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Familie

In der Reihe “Lehrer-Performances. Spiel/Filmbeispiele” zeige ich im April den Film „Les Quatre Cents Coups“ von François Truffaut (F 1959). Im Dialog mit einigen Sequenzen des Films werden Prof. Karl-Josef Pazzini und ich mit dem anwesenden Publikum diskutieren.

Zeit: Montag, 28. April 2014, 20.00 Uhr
Ort: Rm 504, VMP 8

Truffauts Film erzählt einen Ausschnitt aus dem Leben des Jungen Antoine Doinel und bringt dabei unterschiedliche Räume wie Schule, Elternhaus, Kino, Jahrmarkt zur Darstellung, die alle aus erziehungswissenschaflticher Perspektive als Lern- und Bildungsräume verstanden werden können.
Uns interessiert insbesondere die Gegenüberstellung von Schule und Elternhaus, von öffentlichem und privatem Raum, die die erste Hälfte des Films dominiert. Der Film bringt in der Wahrnehmung seiner Zuschauer_innen zwei Räume zusammen, die in unserer sozialen Realität außerhalb des Kinos nur schwer verbunden werden können – und die manchmal auch von Schüler_innen wie von Lehrer_innen auch strikt getrennt gelebt werden wollen. Der Film zeigt einen tatsächlichen Erfahrungsraum, den man sonst nicht sieht.
Mit der Relation von schulischem und familärem Raum ist unseres Erachtens ein unhintergehbares Problem des Lehrerseins thematisiert, zudem jede/r Lehrer_in ein Haltung finden muss.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

„Happy-Go-Lucky“ in der Reihe „Lehrer-Performances“

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In der Reihe “Lehrer-Performances. Spiel/Filmbeispiele” zeige ich im Januar den Film „Happy-Go-Lucky“ von Mike Leigh (GB 2008). Im Dialog mit einigen Sequenzen des Films werden Prof. Karl-Josef Pazzini und ich mit dem anwesenden Publikum diskutieren.

Zeit: Montag, 13. Januar 2014, 18.00 Uhr
Ort: Rm 404, VMP 8

Der Titel des Films lässt sich ins Deutsche mit den Adjektiven „unbeschwert“, „sorglos“ oder „leichtlebig“ übersetzen. Das scheint auch die Grundstimmung von Pauline, Grundschullehrerin und Protagonistin des Films, zu sein. Mike Leigh zeigt uns die Lehrerin in mehreren Unterrichtsszenen. Zugleich wird Pauline als Schülerin vorgestellt: sie besucht einen Flamenco-Tanzkurs und sie nimmt – nachdem ihr das Fahrrad gestohlen wurde – Stunden in einer Fahrschule, um ihren Führerschein zu machen.
Insbesondere aus den Fahrstunden bei ihrem Fahrlehrer Scott, erfahren wir nicht nur viel über die unterschiedlichen Lehrperformances und die ihnen zugrunde liegenden Pädagogiken, darüberhinaus werden einige imaginative und erotische Facetten der pädagogischen Beziehung thematisiert. Dem möchten wir im Gespräch nachgehen und fragen, ob sich daraus etwas zum Verständnis der Struktur pädagogischer Beziehungen gewinnen lässt.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

13. Ausgabe von „nach dem Film“ zur Filmvermittlung online

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Kurz vor Weihnachten ging sie noch online: die neue Ausgabe von „nach dem Film“ zur Filmvermittlung. Ich möchte an dieser Stelle denjenigen danken, die zum Zustandekommen der Ausgabe beigetragen haben: den Autoren, Dennis Heinrichs, Winfried Pauleit (stellvertretend für die Redaktion) und nicht zuletzt Bettina Henzler für die sehr gute Zusammenarbeit.

Filmvermittlung verbindet unterschiedliche Disziplinen, Wissensbereiche und kulturelle Felder. Sie umfasst wissenschaftliche, journalistische, kuratorische, pädagogische und künstlerische Praxen. Die 13. Ausgabe von „nach dem Film“ versammelt dementsprechend Beiträge, die versuchen etwas von der Pluralität der Filmvermittlung in das Medium der Schrift zu übersetzen: Gesprächsnotizen, Erfahrungsberichte, Filmanalysen, programmatische Anmerkungen sowie historisch oder theoretisch orientierte wissenschaftliche Texte bilden einen gemeinsamen und doch heterogenen Denk- und Reflexionsraum.

Beiträge von und mit: Alejandro Bachmann, Michael Baute, Ralph Etter, Erika und Ulrich Gregor, Malte Hagener, Bettina Henzler, Volker Pantenburg, Winfried Pauleit, Lina Paulsen, Stefan Pethke, Olaf Sanders, Heide Schlüpmann, Stefanie Schlüter, Christian Stewen und Manuel Zahn.

Psychoanalytische Betrachtungen virtueller Wesen und Wirklichkeiten im Film

„Zu den wesentlichen Qualitäten des Kinos gehört es, die Wirklichkeit in Frage stellen zu können, mit Identitäten zu spielen und Traumwelten zu inszenieren. Damit eröffnet das Kino für uns Zuschauer neue Erfahrungs- und Erlebnisräume. In den vergangenen Jahrzehnten haben technische Fortschritte, leistungsfähigere Mikrochips und die rasanten Entwicklungen im Internet das menschliche Leben bis in die persönlichsten Bereiche verändert – und auch die Produktion von Filmen revolutioniert. Seit einigen Jahren kann man eine deutliche Zunahme der Parallelwelten im Kino erkennen; vor allem viele große Blockbuster spielen in einer nicht mehr realen Welt. 30 Kinofilme werden daraufhin untersucht, in welcher Weise diese kulturellen Entwicklungen im Film thematisiert werden. Was erleben wir als Zuschauer/-innen? Beeinflussen Kinofilme unsere Einstellungen zur Realität? Verändert sich durch die Virtualität unsere Identität? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang?“

Im Buch ist auch einem Beitrag von mir:
Bist Du, was Du denkt? – Reflexionen auf das Spiel mit der Simulation (The 13th Floor), in: Laszig, Parfen (Hg.): Blade Runner, Matrix und Avatare. Psychoanalytische Betrachtungen virtueller Wesen und Wirklichkeiten im Film. Springer: Berlin, Heidelberg 2013, S. 303-318

„Ästhetische Film-Bildung“ bei Transcript erschienen

Seit gestern ist meine Monographie „Ästhetische Film-Bildung. Studien zur Materialität und Medialität filmischer Bildungsprozesse“ auf dem Buchmarkt. Sie ist in der Reihe „Theorie bilden“ beim Transcript Verlag erschienen. Das Buch ist ein erste Antwort auf die Frage: wie ist Bildung mit Film möglich? Es bezieht sich dabei nicht auf den Film im Allgemeinen, sondern auf den Kinofilm – und damit auf eine ganz spezifische Materialität, Performativität und Medialität der Produktion, der Aufführung und der Rezeption.

Auf der Verlagsseite heißt es dazu:

„Film und Bildung – Manuel Zahn spürt in seinen Studien diesem immer noch ungeklärten Verhältnis nach. In Bezug auf aktuelle medientheoretische, ästhetische und bildungstheoretische Diskurse entwickelt er einen differenztheoretischen Begriff der Medialität des Films und stellt mit der Spurenlese eine »Methode« vor, die eine differenzsensible Empirie des Films ermöglicht. Anhand von Filmbeispielen wird die Spurenlese erprobt und dabei ein Begriff der Film-Bildung skizziert, der die Spurenlese von Filmen als bildende Erfahrung begreift, insofern sie es erlaubt, die Auseinandersetzung des Subjekts mit Filmen auf der Folie der Unmöglichkeit ihrer identifizierenden Aneignung zu denken.“

Dort gibt’s auch das Vorwort des Buchs als kleine Leseprobe.

Medienkulturelle Transformationen, Migration, Wunder und Pädagogik

Ich möchte auf drei Ringvorlesungen aufmerksam machen, die in diesem Monat schon begonnen haben oder noch starten. Die Ringvorlesungen (in Hamburg, Frankfurt/Marburg und Oldenburg) untersuchen 1. Wunder, 2. medienkulturelle Wandlungen und 3. Migration in ihren jeweiligen Verhältnissen zu Kunst und Pädagogik/Bildung.

1. WUNDER IN KUNST UND PÄDGOGIK

Wunder gibt es immer wieder, und es gibt sie überall – oder nicht? Anlässlich der Ausstellung WUNDER (in den Deichtorhallen, Hamburg) widmet sich eine Ringvorlesung der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg dem „Wunder in Kunst und Pädagogik“. Ausgehend von dem interdisziplinären Ansatz der Ausstellung nehmen Expertinnen und Experten unterschiedlichster Provenienz das Thema Wunder zum Anlass, die Grenzen des eigenen Wissens und der eigenen Disziplinen zu erkunden.

Das Konzept der Ringvorlesung fasst Wunder als wirksame Geschehnisse radikaler Fremdheit, die sich unseren Erwartungen, Absichten und Erklärungen entziehen. Sie markieren die Grenzen der Rationalität und werden zum Gegenstand von Zweifel, Kritik, Unterwerfungsbereitschaft oder Neugier, nähren den Verdacht auf Betrug, lassen aber auch auf Allmacht hoffen. Fast im Gegensatz dazu haben im christlichen, später hauptsächlich im katholischen Zusammenhang, Wunder Beweischarakter und beruhigen den Zweifel. Sie benötigen Zeugen und die Etablierung einer Tradition, um weiterhin wirksam zu bleiben. Wegen der vieldimensionalen Facetten des Themas werden unterschiedliche Diskurse berührt: kunst- und medientheoretische, erziehungswissenschaftliche, theologische, philosophische, künstlerische, literaturwissenschaftliche, mathematische und nicht zuletzt wissenschaftskritische.

Die Ringvorlesung findet Dienstags (zu den hier genannten Terminen) um jeweils 18 Uhr im Auditorium des Hauses der Photographie statt (Eingang über die Rückseite des Hauses). Continue reading

Neu: Zeitschrift Kunst Medien Bildung | ZKMB

Anfang Oktober ging auf zkmb.de die interdisziplinäre „Zeitschrift Kunst Medien Bildung“ online. Herausgeben wird das e-Journal im Auftrag der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung von Ansgar Schnurr (Dortmund), Andreas Brenne (Kassel), Christine Heil (Mainz) und Torsten Meyer (Köln). Die zkmb ist ein „Open Access Journal“ – das heisst, ihre Artikel sind kostenlos und ohne Zugangsbeschränkung lesbar.

Erklärtes Ziel der Herausgeber ist es, „den fachwissenschaftlichen und fächerüberschreitenden Diskurs unter den Bedingungen intermedialer Vernetzungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln“. Die internetbasierte Publikation der Texte und ihre zeitnahe Prüfung in einem „Open-Peer-Review“-Verfahren gewährleisten die ebenso zeitgemäße wie rasche Verfügbarkeit und Diskussion wissenschaftlicher Arbeiten aus dem weiten Forschungsfeld zwischen Kunst, Medien und Bildung.

„Für die Dauer von sechs Monaten können diese „Texte im Diskurs“ von allen Personen der Fachcommunity durch öffentliche und namentlich gekennzeichnete „Reviews“ kommentiert werden. Die Reviews dürfen sowohl die Funktion einer fachlichen Kritik als auch die einer diskursiven Vernetzung mit verwandten, z.B. interdisziplinären Fragestellungen und Ansätzen übernehmen. Nach Ablauf dieser Zeit erhalten die Autoren/innen des eingereichten Textes die Möglichkeit, ihren Artikel zu überarbeiten und dabei gegebenenfalls Hinweise der Reviews einzuarbeiten. Diese endgültigen „Publikationen“ werden zusammen mit den daran geknüpften Kommentaren in einer eigenen Kategorie dauerhaft archiviert“

Sowohl die Artikel als auch die Diskussionsbeiträge der Online-Zeitschrift erhalten eigene URLs – sind folglich zitierfähig und werden laut Herausgebern als „eigenständige wissenschaftliche Publikationen begriffen.“ Weitere Informationen und erste Artikel („Texte im Diskurs“) finden sich auf der Homepage der Zeitschrift.

Darunter ist auch ein Artikel von mir mit dem Titel „Film-Bildung im Zeichen radikaler Alterität“. Der Text skizziert einen differenztheoretischen Zugang zum Film und macht im Anschluss daran einen Vorschlag von „Film-Bildung“, der den medienpädagogischen Diskurs um die Dimension der ästhetischen Erfahrung von Film erweitert. Ich freue mich sehr, beim Start dieses schönen Projekts dabei sein zu dürfen und bin gespannt wie das Angebot angenommen wird. In diesem Sinne wünsche ich den Herausgebern eine rege Beteiligung und uns allen viel Spaß beim Lesen und Mitdiskutieren!