Category Archives: Empfindlichkeit des Sehens

Vortrag zu »Blackboards« im Scala-Kino, Lüneburg

Unter dem Titel »Blackboards« – Filmische Beobachtungen pädagogischer Praxis« veranstalten das Institut für Kunst Musik und ihre Vermittlung (IKMV) gemeinsam mit dem Institut für Bildungswissenschaft (IBIWI) der Universität Lüneburg Leuphana am 7. Juni eine Filmvorführung mit Gespräch im SCALA Programmkino.

Es wird der Film »Blackboards« der Iranerin Samira Makhmalbaf gezeigt, zu dem ich eine kurze Einführung geben und anschließend einen Vortrag mit Gespräch halten darf. Das Gespräch moderiert Nina Rippel.

Die Veranstaltung freut mich aus mehreren Gründen sehr: einmal ist Makhmalbafs Film äußerst sehenswert (ich hatte ihn auch schon zusammen mit Karl-Josef Pazzini in Hamburg gezeigt) und das Scala ein tolles Programm-Kino, in dem ich sehr gerne sprechen werde und zum anderen zieht die kontinuierliche Beschäftigung mit den filmischen Inszenierungen des Lehrens nun weitere Kreise und weckt auch das Interesse anderer an diesem Thema.

Nina Rippel Schreibt weiter zur Veranstaltung:

„Was bringt die beiden Fachrichtungen Kunstvermittlung und Bildungswissenschaften im Kino zu einer Filmvorführung eines iranischen Films zusammen?
Es ist eine Vermutung, die sich folgendermaßen formulieren lässt: Das, was im Kino zusammengebracht wird, ist eine am Film geschulte ästhetische Wahrnehmung mit einer Beobachtungspraxis von Lehr- und Lernsituationen, die jenseits der uns vertrauten kulturellen und institutionellen Rahmungen stattfindet. Diese Konstellation schärft den Blick auf Lehr-Lern- und Bildungsprozesse.
Makhmalbafs »Blackboards« ist eine filmpoetische Verdichtung, die verschiedene Fragen zum Lehren und Lernen, zum Wissen und seiner Weitergabe anspielt. Im Grenzland zwischen dem Irak und Iran begegnen sich drei Generationen: eine Gruppe alter Männer und Frauen, Lehrer und Kinder. Die Lehrer schleppen Schultafeln auf ihren Rücken durch die unwirtliche Berglandschaft. Warum? Vielleicht als Zeichen ihres Berufsstandes oder als Erinnerung an die Institution Schule?“

Alle Interessierten sind herzlich ins Kino eingeladen!

Olaf Sanders spricht in der Ringvorlesung „Filmische Inszenierungen des Lehrens und des Lehrers“

Sein und Haben (Etre et avoir) ist ein Dokumentarfilm, der wirkt als wäre er keiner, Cantents Die Klasse (Entre les murs) wiederum will wirken wie einer, ist aber keiner. Beide Filme inszenieren pädagogische Helden. Lehrkräfte waren seinerzeit im Hamburger Zeise-Kino ebenso gerührt wie vorletztes Jahr im Kölner Off Broadway“, so Olaf Sanders in einem ersten Vorgespräch zu seinem Vortrag.
Es geht also möglicherweise um die Verhältnisse von Film, Frankreich, Pädagogik, Performanz und pädagogischen Kitsch – und all das zusammen mit und vor dem Hintergrund von Deleuzes Philosophie. Ich bin gespannt.

Interessierte sind herzlich eingeladen!

3. Vortrag der Ringvorlesung „Filmische Inszenierungen des Lehrens und des Lehrers“

Die im Zusammenhang mit Fragen nach den Bedingungen individueller Bildung geführte Kontroverse zwischen Milieu- und Subjekttheoretikern ist alt und oft als unfruchtbar markiert worden. Trotzdem scheint die Diskussion immer wieder zu den Punkten der Trägheit des Milieus und der Frage der Veränderung biographischer Entwürfe zurückzukehren. Dafür gibt es auch in der Filmgeschichte vielfältige audio-visuelle Thematisierungen.

Der Vortrag von Winfried Marotzki wird anhand der Filme »Die Vergessenen« (Luis Buñuel, 1950) und »How green was my valley« (John Ford, 1941) zwei dieser audio-visuellen Thematisierungsmuster herausarbeiten. Er wird sich dabei am Beispiel der Institution Schule auf das Verhältnis von sozialer Reproduktion und biographischen Entwürfen konzentrieren.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Filmische Forschung zu den »Grenzen der Lehre«

Andrea Sabisch schreibt in der Ankündigung ihres Vortrags:

»Hanekes Film Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte ist mehr als eine filmische Fiktion in dokumentarischer Manier mit Relevanz für die Gegenwart. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive stellt sich in diesem Film die Frage nach Bedingungen und Grenzen der Lehre neu. Unter dem Deckmantel der Fürsorge geschieht etwas, was der Geschichte vorgelagert wurde und zugleich immer wieder vorgeführt wird: ein Verrat am Subjekt. Ist dies der Grund, warum der Lehrer schließlich Schneider wird?«

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Ringvorlesung »Filmische Inszenierungen des Lehrens und des Lehrers. Lehr-Performances« beginnt am 14.04.10!

Das fliegende Klassenzimmer (1954)

Am Mittwoch, den 14. April 2010 beginnt die Ringvorlesung »Filmische Inszenierungen des Lehrens und des Lehrers. Lehr-Performances«, die ich gemeinsam mit Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini und der [FuL] Forschungs- und Le[ ]rstelle, Kunst – Pädagogik – Psychoanalyse am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg veranstalte.

An diesem Mittwochabend wird Adrienne Crommelin mit dem »Klassiker« des Lehrer-Films Das fliegende Klassenzimmer den Vortragsreigen eröffnen. Der Titel ihres Vortrags lautet »Der Unterricht wird zum Lokaltermin. Erich Kästners Lehren« und er verspricht sehr spannend zu werden. Sie selbst schreibt zu Ihrem Vortrag:

„In der Auseinandersetzung mit der Verfilmung von Kurt Hoffmann, zu der Kästner selbst das Drehbuch lieferte, geht es zunächst um die jeweiligen Phantasien und Wünsche, die in den verschiedenen Lehr-Szenarien entworfen und durchgespielt werden. Die dabei hervortretenden Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten sind – so die These – nicht allein auf eine inkonsequente Dramaturgie der Filmerzählung zurückzuführen, sondern haben mit grundlegenden Problemen von Lehre und Autorität zu tun, die noch lange nicht verjährt sind.“

Die Vorlesungsreihe »Lehr-Performances« nimmt sich der unterschiedlichen Inszenierungen des Lehrers im internationalen Spielfilm an. Die filmischen Lehr-Performances sind dabei nicht nur als gute, schlechte oder zumindest sentimentale Unterhaltung der Zuschauer (als ehemalige Schüler) zu verstehen, sondern sie speisen sich aus einem historisch und gesellschaftlich spezifischen kulturellen Imaginären, modifizieren es und reichern es mit neuen Figuren, Bildern und Aussagen an. Durch die Filme zum Vorschein gebracht, kann es zum Gegenstand von Gesprächen werden.

Der Film wird in dieser Perspektive zu einer kulturellen Praxis der (Re-)Inszenierungen des Wissens um das Lehren und Lernen. Anhand der »Lehr-Filme« lassen sich demzufolge wichtige Aussagen zur Erforschung der Schule, zu den strukturellen Momenten des Lehrens und Lernens und zu Bildungsprozessen der Schüler und der Lehrer gewinnen.

Die insgesamt sieben Vorträge finden 14tägl., Mittwoch, von 19 – 21 Uhr im Rm 504 VMP 8 statt. Die Vorträge sind öffentlich und kostenlos. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Alle am Thema Interessierten sind herzlich eingeladen zu kommen!

Weitere Informationen zur Reihe erhalten sie auf den Seiten der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg.

Oder sie klicken hier:

Der Sammelband »Vom Kino lernen« erscheint im Frühjahr 2010

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Der Bertz+Fischer Verlag kündigt das Buch in seinem Frühjahrskatalog 2010 an. Höchstwahrscheinlich wird es rechtzeitig zum nächsten Internationalen Bremer Symposium zum Film erscheinen. Nina Rippel und ich haben auch einen Text zum Buch beigetragen, »Die KurzFilmSchule. Ein Projekt künstlerischer Filmvermittlung an Hamburger Schulen«, indem wir die Arbeit der KurzFilmSchule vorstellen und unser Konzept einer künstlerischen Filmvermittlung zur Diskussion stellen.

Der Verlag schreibt in der Vorankündigung des Buchs:

„Ob Kulturfilm oder kommerzieller Film, das Kino wirkt seit seinen Anfängen persönlichkeitsbildend. Dennoch: Die Schulen in Deutschland sehen sich bis in die Gegenwart im Konflikt: Sollen sie den Film als Mittel schulischer Bildung nutzen oder ihn als Medium der Massenkultur ablehnen? Seit Beginn des neuen Jahrtausends zeichnet sich eine Veränderung ab: Filmwirtschaft, Kulturinstitutionen, Bildungsinstitutionen und Wissenschaft machen sich für die Filmvermittlung in den Schulen stark.
Mit welchen Methoden und Medien wird heute Film vermittelt? Welche Rolle spielen dabei Institutionen wie Filmmuseum, Kommunalkino, Schule, Filmhochschule und Universität? Wie tragen Filme zur Persönlichkeitsbildung bei? Und inwiefern ist Film selbst eine Vermittlungsinstanz?
Das Buch präsentiert ein internationales Spektrum unterschiedlicher Positionen der Filmvermittlung: zum Beispiel den in Frankreich entwickelten Ansatz, »Film als Kunst« zu vermitteln, oder das in England praktizierte Konzept der »film literacy«. Theorie und Praxis, Visionen und ihre konkrete Umsetzung stehen dabei gleichermaßen im Fokus.
Die Publikation liegt zweisprachig auf Deutsch und Englisch vor. Die CD-ROM in englischer Sprache enthält zahlreiche Filmausschnitte, die die Argumentation anschaulich machen.“

Klassiker des Experimentalfilms im b-movie, Hamburg

An den nächsten 3. Dienstagen des DienstagsKino der KFA im B-Movie sollen in einer Serie aus herausragenden Kurzfilmen der letzten 25 Jahre unterschiedliche Programme entstehen. Das Kurzfilmarchiv der KFA hat zurzeit 26.000 Filme, in diesem kann in vielerlei Richtung geforscht werden.
Der erste Abend, Di., 17. November, ab 20 Uhr, wird dem strukturellen Film gewidmet sein.

»Hier ist das sinnliche Sehvermögen aufgefordert, unkonventioneller zu reagieren. Wer bereit ist, sich im Ungewohnten einzurichten, kann zu ganz eigenen Erfahrungsgrenzen vorstoßen.
Für alle, die auch im Sitzen etwas Bewegung brauchen.«

Der Eintritt ist frei!

»Winter adé« – Scheiden tut Weh.

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Anlässlich des zwanzigsten Jahrestags des »Mauerfalls« zeigt BINE e.V. – Gesellschaft zur Förderung von Bildung, interkulturellem Austausch und nachhaltiger Entwicklung in Kooperation mit dem Metropolis Kino, der Stiftung Deutsche Kinemathek, der Kulturstiftung des Bundes und der Landeszentrale für politische Bildung vom 1.-30. November 2009 insgesamt 10 Fime aus der Filmreihe »Winter adé«.
Präsentiert werden abendfüllende deutsche und osteuropäische Filme, die im letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges entstanden sind – und in denen sich die Ahnung des bevorstehenden, tief greifenden Wandels bereits abzeichnet. In ihnen formuliert sich die Hoffnung auf politische oder wirtschaftliche, vor allem aber auf künstlerische Öffnung. Jeder der Filme hat auf formale oder inhaltliche Weise Grenzen erweitert und durch seine mutige Artikulation Veränderungsbedarf eingeklagt.
Zur Filmreihe gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Fotoausstellung, Vortragsperformance, Comic-Lesung, Gästen und Live-Musik.

Die Eröffnungsveranstaltung der Reihe ist am kommenden Sonntag, 1. November 2009, 20 Uhr, im Metropolis Kino, Steindamm 52-54, Hamburg

Filmvermittlung und Pädagogik

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Die drei vorangestellten Bilder sind aus Michael Bautes Text »Deixis«. In vielen filmvermittelnden Filmen findet sich ein Verfahren, das die Griechen deixis nannten, was »Zeigen« oder »Hinweisen« bedeutet. Michael Baute zeigt wiederum eine kleine und feine Auswahl von Screenshots aus Filmen verschiedener Autoren und Produktionszusammenhängen, in denen Deiktisches je anders zum Zuge kommt.

Bautes Text ist einer von vielen interessanten Beiträgen im Dossier zu Filmvermittlung und Pädagogik des Forschungsprojekts „Kunst der Vermittlung“. Ich bin darin ebenfalls mit einem Gastbeitrag namens Filmvermittlung ist? beteiligt.

Das Folgende ist ein Auszug aus dem Editorial des Dossiers:

„[Es] richtet seinen Fokus einerseits auf die Bedingungen der Produktion von Filmen für Bildungszusammenhänge, andererseits auf die Möglichkeiten ihres Einsatzes in verschiedenen Lehr- und Lernumfeldern.

In Gesprächen wird insbesondere der französische Kontext rekonstruiert, in dem das Verhältnis von Bildungspolitik und Filmvermittlung eine lange Geschichte hat. Anne Huet berichtet über das produktive Ineinandergreifen ihrer praktisch ausgerichteten Arbeit im Kontext pädagogischer Filmvermittlung. Sie betreut die DVD-Reihe »Eden Cinéma« konzeptuell, realisiert selbst filmvermittelnde Filme und arbeitet nicht zuletzt als Filmvermittlerin mit Kindern. Der kinematografischen Früherziehung im Kino mit Klassikerfilmen widmet sich in Frankreich die Institution »Les enfants de cinéma«. Mit deren Leiter Eugène Andréanszky haben wir ebenfalls im Sommer 2008 ein Gespräch geführt.

Über die Übertragbarkeit französischer Modelle und über die Möglichkeiten des Einsatzes von filmvermittelnden Filmen in der pädagogischen Ausbildung sprachen wir mit Bettina Henzler und Winfried Pauleit vom »Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik« an der Universität Bremen. Beide haben Bergalas Ansatz in Deutschland bekannt gemacht.

Darauf, dass die Geschichte der Vermittlung im Kino bereits in den 1920er Jahren in den USA einsetzt, weist Volker Pantenburgs Text »Film Appreciation« hin. Mit dem »Bildungseinsatz« von 16mm-Filmen ging seit dieser Zeit das Kino im ganz buchstäblichen Sinn in die Schule.

Neben einigen Beschreibungen zu filmvermittelnden Filmen – etwa zu Lotte Reinigers Silhouettenfilmen, zum Kleinkind als Schauspielerin in Jacques Doillons PONETTE und zum Motiv des Geldes in Filmen L`ESQUIVE und MES PETITES AMOUREUSES – gibt es eine Bildmontage mit deiktischen Motiven und eine analytische Text-Bild-Montage zu Fritz Langs SCARLETT STREET, in der ebenfalls Geld im Zentrum steht.

»Filmvermittlung ist?«‚ so lautet der programmatische Titel des Gastbeitrags von Manuel Zahn, Filmvermittler und Doktorand an der Universität Hamburg. Das Fragezeichen im Titel seines Beitrags geht Zahn produktiv an, indem er sich der Filmvermittlung, wie Henzler und Pauleit, einerseits aus der Perspektive der Kunstpädagogik annähert, andererseits vom filmvermittelnden Film. Dabei bezieht er sich exemplarisch auf Gustav Deutschs FILM IST. und Kevin Brownlows UNKNOWN CHAPLIN.“

Americana Fragments

David Lynch ist ja schon seit längerem auch im World Wide Web aktiv. Jetzt hat er¬†dieses mit Spannung erwartete Projekt produziert, das sich¬†„Interview Project“¬†nennt:¬†

„It’s human and you can’t stay away from it¬†-¬†erklärt¬†David Lynch. Das Prinzip ist so einfach wie bezwingend. Eine Reise, 70 Tage, 20.000 Meilen lang, durch die USA. Es beginnt in Needles, California, am Straßenrand, obdachlos: Jess. Das Team – David Lynch selbst ist nicht dabei – fährt durchs Land und interviewt Leute, die bereits sind, vor die Kamera zu treten. Der erste Film – es wird jeden Tag eine weitere Episode geben – macht klar: Mehr als Schnipsel werden das nicht. Straight Story light. Americana, ganz kurze Einblicke und Eindrücke, aber vielleicht hat das auch seine Richtigkeit: Drive By Shooting, ein Bild aus kleinen prismatischen Momenten.“ [via cargo]