WORKSHOPBESCHREIBUNG


Foto: ©Patrick Knoch

Wer waren wir? Wer sind wir? Wer werden wir sein? Welche Rollen gestalten wir und warum? In diesem Workshop geht es um die Frage von Zuschreibungen und Selbstwahrnehmung der sexuellen Identität bezogen auf normal und unnormal, bekannt und fremd, richtig und falsch, also ums Frau-Sein in einer binären Logik und im patriarchalen Feminismus. Es geht um die Betrachtung Frau zu sein aus einer migrantisch weiblichen Perspektive. Es geht um Fragen von Wert und Ausdruck, um Mittel und Wege der Sichtbarkeit in einer postdigitalen Gesellschaft. Es geht um den Schaffensprozess, die Aktivität, künstlerische Produktivität, indem wir zusammen produktorientiert Ergebnisse als Videos festhalten, jedoch zugleich kapitalistische Verwertbarkeit im Hinblick auf eine bestehende extrem dynamische Wirtschaft und Arbeitszukunft hinterfragen. Frau vs. Ich-AG. Und es geht auch um die Frage der Selbstbestimmung: Wer werden wir als Frauen, wenn wir unser Frau-Sein selbst bestimmen? Wir suchen nach Zukunftsvisionen des Frau-Seins 4.0 in einer extrem diversen, hochtechnisierten und globalisierten Kultur.

Der Workshop mit der Nummer 3 wird geleitet von: Idil Baydar

EINDRÜCKE UND REFLEXIONEN AUS DEM WORKSHOP


Photo aus der finalen Abschlusspräsentation, eine Reihe kurzer Performances einzeln oder in kleinen Gruppen

Brief an alle Töchter von T.P.

Ich widme diese niedergeschriebenen Worte allen Töchtern, die Schmerz mit sich tragen, weil sie die Liebe ihres Vaters nie richtig spüren konnten.

Wir kommen auf die Welt, unschuldig und ungesehen, und bekommen so viel Liebe. Wir mussten nicht einmal was dafür tun. Sie war einfach da. Dann werden wir älter und vielleicht sind wir sensibel, weinen schnell, sind verunsichert, weil die Menschen um uns herum nicht immer nett zu uns sind. Und wir sehnen uns eigentlich nach nur noch mehr Liebe. Wollen in die starken Arme unseres Vaters genommen werden und dort Trost finden. Doch wir sind nun groß und statt einer Umarmung bekommen wir nur Worte zu hören. „Stell dich nicht so an. Du nimmst alles immer viel zu persönlich und dramatisierst. Und fang doch nicht immer an zu weinen. Du weißt, dass ich das überhaupt nicht leiden kann.“ Ja, das wissen wir. Das hat sich bis heute nicht geändert. Und das Schlimme ist, dass wir es nun selbst nicht mehr ertragen können. Denn wir spüren die gleiche Wut in uns aufkommen, die in dir aufkam, wenn die Tränen anfingen über unsere Wangen zu laufen. Die eigentliche Trauer verwandelt sich in Ärger über uns selbst. Und weil wir dieses Gefühlschaos auf Dauer gar nicht aushalten können, versuchen wir unsere Emotionen einfach zu verdrängen. Vor allem vor unseren Vätern. Einfach stark sein, so wie du es immer von uns verlangt hast. Einfach stark sein und weitermachen.

Aber irgendwann ist unsere Stärke vielleicht aufgebraucht und wir brauchen etwas, das uns wieder aufbaut und neue Kraft gibt. An alle Töchter da draußen. Ich fühle euch. Ich bin mit euch. Ich weiß wie schwierig der Kampf mit ihm und sich selbst sein kann. Denn die Rolle der Tochter spielen wir unser und sein ganzes Leben. Die Scheinwerfer sind dabei nicht immer auf uns gerichtet und der Applaus gilt nicht immer uns. Aber unsere Schatten und stillen Momente verbinden uns. Wir sind nicht allein. Wir sind über 3 Milliarden Töchter auf dieser Welt. Und wir alle bestehen, unabhängig von unseren Vätern. Als Mädchen, Frauen und Superwomen.

Fliegt, denn ich bin stolz auf euch!