WORKSHOPBESCHREIBUNG


Foto: Yvonne Rainer Street Action, 1970 ©The Getty Research Institute

In the seminar “queen of hearts”, we will discuss strength, body conditions and their influence upon gender perception. How come we associate certain genders with strength? What does the ‘weaker sex’ stand for? How come power demonstrations and physical strength resonate with attractiveness, vitality, and vigor? What do demonstrations of power reveal about our weaknesses? In the seminar, we will practice and test our own physical power, force, and conditions. We will research the delicate transformation from fragility to physical control/power and the loss of control, and bring out extreme physicality through movement improvisation and exhaustion. In the contexts of powerful roles, body, and performance we will study the American choreographer and filmmaker Yvonne Rainer, and get to know Rainer’s broad work about gender politics in versus mediums, such as performance, film, and text.

The workshop no. 5 will be given by: Reut Shemesh

EINDRÜCKE UND REFLEXIONEN AUS DEM WORKSHOP


Still aus der finalen Abschlusspräsentation, einer gemeinsamen Tanzperformance

Performancerezept von Rubina Unzelmann
ZUTATEN
LISTENING
SLOW MOTION
Eye Contact
Shadowing
Touch
Stillness
Breathing
Canon

ANWEISUNGEN
1. Entscheiden Sie sich in der Gruppe für drei Pictures
2. Es geht nicht um die Bilder, sondern um den Weg dorthin und was währenddessen passiert
3. Sie dürfen jederzeit auf die Zutaten zurückgreifen, doch Listening und Slow Motion sollte sich fortwährend durch die Zeit auf der Bühne ziehen.
4. Sie dürfen einmal eine Performer_in berühren/streifen (Touch).
5. Das gemeinsame Atmen wird Ihnen helfen einen kollektiven Rhythmus zu finden.
6. Verlieren Sie Ihre Mitperformer_innen nicht aus den Augen.
Tipp: Vergessen Sie niemals, dass dies kein Wettkampf ist.
Es geht um die gegenseitige Stärkung.
Nur gemeinsam werden Sie zu Queens of Hearts.

Imaginationen im Moment von Sophia Glaser
Die Sensibilität für etwas zu entwickeln, was schon im Raum präsent ist und sich auf diese Energie einzulassen ist ein großes Abenteuer. Die feinen zwischenmenschlichen Verbindungen und zugleich abweisende Gesten und Spannungen ballten sich zwischen den sich langsam be-wegenden Menschen. Bewegungen wurden übernommen, kopiert und kombiniert und gleich-zeitig immer die Spannung und Offenheit des Raumes im Blick zu haben. Blicke kreuzten sich, wichen sich aus und gingen in die Tiefe, so tief, dass Gespräche entstanden, ohne Worte, ein-fach zwischen den Körpern. So lang keine Worte verwendet wurden, blieb die Magie im Raum bestehen. Sobald jedoch Worte verwendet wurden, begann der Kopf Bewegungen und Begeg-nungen festzulegen. Ich merke dabei immer wieder, dass für viele Zustände, Begegnungen und Bewegungen keine Worte oder Beschreibungen vorhanden zu sein scheinen. Ich muss also neue Worte imaginieren, um diese neuen Erfahrungen in Worte zu fassen, um nicht das Erfahrene in die bestehenden Kategorien einzuordnen. Ich muss versuchen die binären Strukturen in meinem Denken und in meinem Ausdruck zu durchbrechen. Ich versuche für mich passende wörtliche Erfindungen für die bewegenden Erfahrungen zu kreieren. Ich erzähle nun von einem fliegen-den bunten Teil von meinem Sein, der immer wieder die Kraft hat auf die höchsten Bäume zu klettern und sich einfach mit dem zu verbinden was ist.
Ich springe vor und zurück, der Rhythmus „Bumm sch bumm sch“ der Füße trägt mich. Der kraftvolle Klang trägt uns alle und wir springen bis zur extremen Steigerung, bis wir nicht mehr können. Dabei strahlen wir uns an und feuern mit unseren Blicken die Energie in den Raum. Dann werden wir zusammen eine große Lunge, also eine Atmung zusammen. Die ganze Luft im Raum wird einmal in diese Lunge eingesogen und dann wieder in den Raum abgegeben. Ich schließe die Augen, bin vollkommen mit dem Raum verbunden und spüre jede Zelle, wie alles aus den Poren meiner Haut kommt und ich jede Bewegung um mich herum fühle. Ich weiß, wann ich losgehen muss und gehe in so langsamen Bewegungen, so dass ich das Gefühl habe, dass die Zeit stehen geblieben ist. Ein Blick funkelt vor mir und ich begegne und halte diesen Augen stand und schwinge mit den Bewegungen des Körpers schräg vor mit. Ich räsoniere mit der Energie dieses Menschen. Wir gleiten langsam auf den Boden, Schweißperlen tropfen und wir bahnen uns einen Weg auf allen Vieren und zittern vor Langsamkeit und Konzentration. Immer wieder blicken wir in unsere unendlichen beängstigenden und lebendigen und so wun-derbaren Tiefen. Ich begebe mich nun auf einen anderen Weg und versuche gleichzeitig diese intensive bewegende Begegnung loszulassen. Wo gehe ich jetzt hin? Ich fühle mich ein biss-chen unsicher in diesem suchenden Sein. Ich atme langsam in meinen Körper hinein und plötzlich spüre ich die Energie wieder, denn alle um mich herum heben die Arme, wie starke Wind-mühlen und ich laufe so langsam wie es nur geht durch diese Arme hindurch und lehne mich erleichtert an die Wand. Nun schließe ich die Augen und ich merke, wie ganz viele Gedanken und körperliche Empfindungen in meinem Körper als Gedächtnisse hervorgerufen werden.
Ich spüre, wie die lebendige Energie in meinem Körper sichtbar wird durch die Bewegungen und Begegnungen im Raum. Mein jetziges Ich ist so liebevoll mit dem Körper und mit dem Leben, so dass der Schmerz über den Verlust der früheren Energie durch ein Teil des Körpers strahlend umhüllt wird. Gleichzeitig nehme ich in meinem Herzen auch die verwundeten Stel-len in meinem Sein wahr. Verletzliche Bruchteile kommen hoch und nichtsdestotrotz stehe ich in den Sonnenstrahlen und spüre das Leben in seiner vollkommenen Bandbreite und bin so glücklich darüber dies alles fühlen und wahrnehmen zu können. Manchmal durchflutet mich dieses verbundene Gefühl so stark, dass ich vor glucksender Freude losfliegen könnte.
Für mich wurde in diesen Bewegungserfahrungen etwas ganz klar sichtbar, das ich eigentlich die ganze Zeit in meinem Alltag mache. Ich stelle mir ganz viel vor und lasse meinen Imagina-tionen freien Lauf. Dies hilft mit eine unglaubliche Kraft für den Alltag aufzubauen und ich merke wie mein Körper dadurch eine unglaubliche Kraft bekommt. Durch meine Imaginationen spüre ich die Lebenskraft in meinem Körper und die Freude und Liebe am Leben. In Bewegung sein, imaginieren, mit dem sich verbinden, was ist und einfach zu machen, wertschätzend mit dem Moment umzugehen, bringt ein wundersames kraftvolles Sein für mich hervor. Ich will weiterhin so in Bewegung sein und die Vielfalt und Verschränkungen in mir und um mich herum zu verstehen und zu leben.

Reflexion von Clara Vogel

Listening
Wir kennen uns noch keine 10 Minuten, sitzen im Kreis auf dem Boden, barfuß
Vorstellungsrunde 2.0
Wir erzählen von unseren Beziehungen, Interessen, intime Themen
und hören einander zu, barfuß
ich habe Keine von den Anwesenden zuvor jemals gesehen
und doch fühle ich mich hier nun aufgehoben
Jede hat sich verletzlich gemacht, geöffnet, barfuß
und dadurch sind wir geborgen
wir atmen gemeinsam
Und zuhören geht auch noch anders, erfahren wir später
Nicht Worten, nicht Sprache, nicht mündlichen Erzählungen
stattdessen Körpern, Bewegungen, Blicken
Wir erzählen von uns selbst in Zeitlupe
und hören einander zu, barfuß

Slow Motion
Wir erzählen von uns selbst in Zeitlupe
und hören einander zu, barfuß
Langsam, bedächtig, aufmerksam
Die Langsamkeit, die Bedächtigkeit, die Aufmerksamkeit
erfordern mehr Kraft und Spannung als ich dachte
andächtig hebe ich meinen Arm in die Höhe und lege ihn auf eine fremde Schulter
die Schulter glüht
vorsichtig hebe ich meinen Blick und lege ihn in fremde Augen
die Augen antworten und hören mir gleichzeitig zu
sie lächeln, barfuß

Eye Contact
Und zuhören geht auch noch anders, erfahren wir später
Nicht Worten, nicht Sprache, nicht mündlichen Erzählungen
stattdessen Körpern, Bewegungen, Blicken
Vorsichtig hebe ich meinen Blick und lege ihn in fremde Augen
die Augen antworten und hören mir gleichzeitig zu
sie lächeln, barfuß
Wir richten unsere Blicke auf uns, auf den Raum, auf die Welt
Wir schließen uns, den Raum, die Welt in unseren Blick ein
Wir halten den Blickkontakt zueinander und zur Welt
es erfordert mehr Kraft und Spannung als ich dachte
andächtig hebe ich meinen Arm und –
neben mir hebt sich mit mir gemeinsam ein fremder Arm

Shadowing
andächtig hebe ich meinen Arm und –
neben mir hebt sich mit mir gemeinsam ein fremder Arm
ich führe meine Hand an mein Gesicht und
neben mir berührt eine fremde Hand ein fremdes Gesicht
ich lasse den Arm langsam sinken und
neben mir sinkt mit ihm gemeinsam ein fremder Arm
ich drehe mich in Richtung meines Schattens und
mein Schatten dreht sich zu mir
er antwortet und hört mir gleichzeitig zu
er lächelt, barfuß
und ist nicht mehr fremd
ich habe keine von den Anwesenden zuvor jemals gesehen
und doch fühle ich mich hier nun aufgehoben
jede hat sich verletzlich gemacht, geöffnet, barfuß
und dadurch sind wir geborgen
ich strecke meinen Arm nach meinem Schatten aus
mein Schatten streckt seinen Arm nach mir aus
unsere Hände berühren sich

Touch
ich strecke meinen Arm nach meinem Schatten aus
mein Schatten streckt seinen Arm nach mir aus
unsere Hände berühren sich
wir atmen gemeinsam
wir gleiten mit unseren Händen an unseren Armen entlang
andächtig hebe ich meinen Arm in die Höhe und lege ihn auf eine Schulter
die Schulter glüht
eine sanfte Berührung
die in den ganzen Körper strahlt
dann lösen wir uns wieder voneinander
und wenden uns ab
der Moment ist vorüber
ich bleibe stehen und bewege mich nicht mehr
ich atme alleine, barfuß

Stillness
ich bleibe stehen und bewege mich nicht mehr
ich atme alleine, barfuß
ich versinke in mir
ich spüre in meinen Körper
ich atme
ich bleibe stehen und bewege mich nicht mehr
Ein Moment der Stille
Ein Moment des Stillstandes
Dann richte ich meine Aufmerksamkeit wieder nach außen
ich spüre in den Raum
ich spüre in die anderen Körper
ich bin still, bewegungslos, und doch durch und durch gespannt
aufmerksam
Die Stille erfordert mehr Kraft und Spannung als ich dachte
Ich höre ein Atmen hinter mir
wir atmen gemeinsam

Breathing
Ich höre ein Atmen hinter mir
wie atmen gemeinsam
Ich blicke mich um
wir atmen alle gemeinsam, barfuß

Closing & Opening
ich habe Keine von den Anwesenden zuvor jemals gesehen
und doch fühle ich mich hier nun aufgehoben
Jede hat sich verletzlich gemacht, geöffnet, barfuß
und dadurch sind wir geborgen
Sich öffnen erfordert mehr Kraft und Spannung als ich dachte
Doch
noch so viel mehr Kraft
strömt auch wieder in mich zurück
barfuß

„Reflexion meiner künstlerischen Praxis“ von Diana Barthel

Bevor die Springschool startete, hatte ich großen Respekt vor der Herausforderung, einen eigenen künstlerischen Zugang zu meiner feministischen Utopie zu finden. „Ich bin doch keine Künstlerin!“ kam mir immer wieder in den Kopf und ich war unsicher, ob ich überhaupt der Zielgruppe für ein solches Angebot angehörte. Ich hatte mich mit den Themen Feminismus, Identität und Geschlecht bis dahin vor allem theoretisch auseinandergesetzt, viele Texte gelesen und Diskussionen darüber geführt. Trotz meiner Bedenken machte mich die Springschool allerdings wegen ihres progressiven und alternativen Konzeptes unheimlich neugierig. Ich wollte die Chance nutzen und eine neue Art des universitären Lernens erleben. Vor allem der Workshop Queen of Hearts sprach mich an, denn die Themen Kraft, Stärke und Körper in Kombination mit Geschlechterrollen spielen in meinem Leben in vielen Situationen eine große Rolle. Die Möglichkeit, mit ihnen zu spielen und mich auf eine tänzerisch-performative Art auseinanderzusetzen mit ihnen auseinanderzusetzen, reizte mich sehr. Zum Glück haben meine Neugier und die Lust auf neue Erfahrungen und Herausforderungen über meine anfängliche Unsicherheit gesiegt.
Denn die Erlebnisse, die ich während der Springschool PATRIARCHY IS OVER. TIME TO PERFORM. machen durfte, haben mich nachhaltig beschäftigt und tief berührt.

Der Workshop Queen of Hearts
Die gemeinsame Arbeit mit der Gruppe während unseres Workshops bestand aus Improvisationsübungen und Tanzperformances. Eine Kleingruppe setzte sich aus drei bis sechs Teilnehmer*innen zusammen, die zu Beginn einer jeden Performance drei Bilder bzw. Aufstellungen festlegte. Jede*r einzelne bestimmte individuell die eigenen Positionen innerhalb dieser Bilder. Dabei spielte das Spannungsfeld von Beziehungen und Interaktionen mit den Mittänzer*innen und das eigene physische Bedürfnis nach Bewegung eine große Rolle. Zu Musik bewegten sich die Tänzer*innen dann von einem Bild zum anderen. Beim Erreichen eines Standbildes legten alle Tänzer*innen eine kurze Zäsur ein, wonach der Tanz bis zum Abschlussbild fortgesetzt wurde. Genauso wie die Aufstellungen in den jeweiligen Bildern, war auch der Tanz improvisiert. Gemeinsam entwickelten wir jedoch einige Stilfiguren, die wir nach Absprache in bestimmten Sequenzen kollektiv anwendeten oder auch individuell damit spielten. Diese Figuren waren Slow Motion, Eye contact, Touch, Shadow, Opening, Closing, Breath, Canon und Speed. Die zentralste Rolle in unseren Performances nahm dabei die Slow Motion ein. Sie stellte das Hauptmotiv unserer Improvisationen dar und sorgte dafür, dass unsere physische Kraft deutlich erleb- und sichtbar wurde. Parallel dazu experimentierten wir mit einer dynamischen und kraftvollen Sprungtechnik, die einen lauten Rhythmus erzeugt und eine gute Technik und Ausdauer erfordert. Jede*r Teilnehmer*in war dazu eingeladen an seine/ihre Grenzen zu gehen und selbst zu entscheiden wann diese erreicht und eine Pause notwendig war. In meinem Kopf spielten die Fragen Wie lange halte ich durch? Wie weit möchte ich mich erschöpfen? Wann gebe ich auf? eine große Rolle und mir wurde wieder einmal bewusst, dass ich mich hinsichtlich meiner physischen Kraft oft mit anderen vergleiche und messe. Mir ist es wichtig stark zu sein, nicht aufzugeben und dabei gehe ich nicht selten an meine körperlichen Grenzen und bin hart zu mir selbst. Dies hat mir auch unsere tänzerische Arbeit im Workshop deutlich gemacht. Wie viel hat dieser Charakterzug mit der Tatsache zu tun, dass ich mich selbst als Frau identifiziere? Diese Frage wurde in mir aufgeworfen und beschäftigt mich seitdem immer wieder.
Aus der Sprungtechnik entstand im Laufe der Woche eine kleine Choreographie, die wir zusammen mit einer Improvisation bei der Abschlussveranstaltung präsentierten. Für die Gruppe war es eine ungewohnte Situation, dass wir alle gemeinsam mit ca. 15 Teilnehmer*innen auf der Bühne standen.
Außer bei einer Probe hatten wir zuvor immer nur in Kleingruppen performt. Im Vorfeld war ich kritisch gegenüber der Präsentation eingestellt, weil ich gern ohne Leistungs- und Präsentationsdruck arbeiten und mich nicht von dem Gedanken an die Zuschauer*innen unter Druck setzen lassen wollte. Tatsächlich hat die anstehende Präsentation eine Nervosität und ein Planungsbedürfnis in der Gruppe hervorgebracht, welche zuvor nicht da war und die unser Miteinander kopflastiger hat werden lassen.
Dennoch war für mich die Präsentation ein besonderer Moment. In einem Gespräch habe ich sie später mit einem Erntefest vergleichen. Dabei war ich von einer Hausarbeit über eine indigene Universität in Ecuador inspiriert, die ich zu dieser Zeit in Arbeit hatte und an der die Evaluation als solches zelebriert wird. Das feierliche Teilen unseres Arbeitsprozesses und die Dankbarkeit für die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich innerhalb der Gruppe wahrgenommen habe, riefen mir den Vergleich mit einem Fest vor Augen, an dem die Ernte einer engagierten Arbeit eingefahren, gefeiert und für sie gedankt wird.

Tanz als autobiografische, feministische Praxis
Die Mischung aus individuellem Improvisationstanz in Slow Motion, die kraftvollen, dynamischen Sprungchoreografien und das ständige In-Beziehung-Sein mit den Mittänzer*innen setzte ein sensible Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse voraus. Gleichzeitig bedarf es besonders hohes Maß an Empathie und Aufmerksamkeit gegenüber den anderen Tänzer*innen und ihren Bewegungen im Raum. Auf sich und auf die Gruppe zu hören, das Herz zu öffnen, sich auf die eigene Intuition zu verlassen und sich von begrenzenden Gedanken frei zu machen, war für die gemeinsame Arbeit unerlässlich. Für mich war es eine spannende Erfahrung, meinen Kopf auszuschalten und frei meinen Bewegungsimpulsen zu folgen. Es erforderte gerade zu Beginn des Workshops eine Menge Mut, mich zu öffnen und auf die überwiegend unbekannte Gruppe einzulassen. Durch die gemeinsame körperliche Arbeit wuchs das Vertrauen innerhalb der Gruppe allerdings sehr schnell und es entstand eine Atmosphäre, die von Intimität, Offenheit und Akzeptanz geprägt war. Ich fühlte mich in dem Workshop-Setting sehr aufgehoben und erlebte während der Performances als Tänzerin und als Zuschauerin viele Momente der intensiven Auseinandersetzung mit mir selbst, meinem Körper, meinen Emotionen und meinen aktuellen Themen. Es war eine neue Erfahrung für mich, mit Hilfe des Tanzes meine Gefühle auszudrücken. Diese Verbindung zwischen Herz und Körper erforderte viel Achtsamkeit gegenüber meinen eigenen Bedürfnissen und Empfindungen und eine sehr hohe Konzentration. Nach zwei Improvisationen war ich oft schon ziemlich erschöpft. Entgegen meiner Befürchtungen, fiel es mir allerdings überhaupt nicht schwer, mich auf den künstlerischen Zugang zu den Seminarthemen einzulassen, zu tanzen und improvisiert zu performen. Die Bewegung ohne enge Vorgaben und mit viel Freiraum hat mir eine Menge Spaß gemacht und war gleichzeitig sehr tiefgründig und berührend.
Meine Teilnahme am Workshop Queen of Hearts und der gesamte Rahmen der Springschool, in den er eingebettet war, hat die Themen Identität, Geschlechterbinarität und Feminismus noch einmal verstärkt in meinen Fokus gerückt. Während der Woche habe ich mir manchmal gewünscht, dass wir die Arbeit im Workshop noch expliziter auf diese Themen beziehen und die Verbindungslinien zwischen ihnen und unserer tänzerischen Arbeit deutlicher herausstellen. Durch die Einbettung des Workshops in das Rahmenprogramm – der Vortrag von Kinsili über Black Feminism, gemeinsamen Gesprächen beim Mittagessen, die Lektüre der Vorbereitungstexte, das Konzerte im Autonomen Zentrum und nicht zuletzt die offenherzigen, liebevollen Menschen, mit denen ich diese Zeit geteilt habe – hat mir unsere künstlerische Praxis allerdings über den Weg des autobiografischen Arbeitens einen ganz neuen, sehr ehrlichen, persönlichen und inspirierenden Zugang zu diesen Themen eröffnet.
Diese tiefe Wirkung meiner Erlebnisse während der Springschool wurde mir allerdings erst in den Tagen danach so wirklich bewusst. Diese waren geprägt von Emotionalität, Selbstreflexion und Imagination. Am Tag nach der Springschool habe ich einige Tagebuchnotizen angefertigt, die dieser Reflexion als Inspiration und Leitfaden zu Grunde liegen und die ich im Anschluss an diesen Text gern anfügen möchte. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass diese spontan notierten Worte meine Gefühle und Gedanken während dieser intensiven Zeit noch ein wenig besser zum Ausdruck bringen können, als es jeder noch so wohlüberlegte Fließtext kann.

Tagebucheintrag
Raum. Hierarchie. Frei.
Wir laufen barfuß. Die Barfü.igkeit ist Symbol unserer Gleichheit. Vielleicht sind wir nicht alle gleich, ganz bestimmt sind wir nicht alle gleich. Aber wir sind uns näher als sonst. Warum kann die Universität nicht immer so ein Raum sein? Wem nutzen die Hierarchien, die Distanzen, die sonst hier herrschen? Die diejenigen, die unten stehen verstummen lassen, sie verunsichern, sich klein und dumm fühlen lassen.
Und diejenigen, die oben stehen? Ist es für sie nicht auch viel angenehmer, wenn sie als Menschen gesehen werden und der Respekt, der ihnen entgegengebracht wird, ihnen und nicht ihrer Position gilt?
Ich bewundere solche Menschen, die sich oben stehen könnten und bewusst auf diese Position verzichten.
Das zeigt mir ihre wahre Größe.