Future Memories (2018/19)

Trevor Paglen: Untitled (Reaper Drone). C-Print 48×60 inches 2010. 

„Die Zukunft ereignet sich vor der Gegenwart, die Zeit kommt aus der Zukunft.“1, so lautet eine derzeit gängige philosophische These. Versuche, die Zukunft durch Wahrscheinlichkeitsberechnungen, Risikosimulationen und Szenarioanalysen vorherzubestimmen, machen sie zu einer wirkmächtigen und gleichsam umkämpften Variable im Hier und Jetzt. Gleichzeitig stellt sich das Kommende heute längst nicht mehr als so verheißungsvoll dar, wie es noch in den Fortschrittserzählungen der Moderne den Anschein hatte. Statt auf einen Idealzustand hinauszulaufen, machen sich die irreparablen Eingriffe des Menschen in der Gegenwart langsam bemerkbar. Klimawandel, Ressourcenknappheit, schwelende globale Konflikte und wachsende soziale und ökonomische Ungleichheit lassen die Zukunft am Horizont ungewiss erscheinen. Zugleich beschleunigt sich der Zirkel technologischer Innovationen, so dass, was gestern noch Science Fiction war, heute schon gesellschaftliche Infrastrukturen bestimmt. Auch in Kunst und Kultur findet dies seinen Ausdruck: Vor dem Hintergrund fortschreitender Digitalisierung beschäftigen sich zahllose Künstler*innen, Filmemacher*innen, Autor*innen, Designer*innen und Architekt*innen mit dem utopischen und dystopischen Potentialen der Zukunft und vermitteln mit ihren Spekulationen einen Eindruck von den mannigfaltigen Möglichkeiten kommender Gegenwarten – jenseits der Geschlossenheit berechneter Szenarien.

Das Semesterthema FUTURE MEMORIES bedient sich dem Mittel der Spekulation. Von einem imaginierten Punkt in der Zukunft soll auf die zukünftige Vergangenheit – unsere jetzige Gegenwart – geschaut werden. Von hier lassen wir den Blick schweifen: Wie sieht das zukünftige Präsens aus? Was hätten wir heute tun können, um dieses Morgen zu erreichen? Welche Potentiale bieten alternative Zukunftsentwürfe aus Kunst und Philosophie? Welche Ideen vermitteln (queere) Futurismen, Science Fiction, Designtheorien, Start-Ups und Maker-Szene? Welche Geschichte(n) erzählen Metadaten? Wie träumen wir gemeinsam mit Maschinen?

Dieses Semester dreht sich alles um die Frage, welche Erinnerungen die Zukunft für uns bereit gehalten haben wird.

1 Armen Avanessian/Suhail Malik (Hg.): Der Zeitkomplex. Postcontemporary, Berlin 2016, S. 9.

Bild: Trevor Paglen: Untitled (Reaper Drone). C-Print 48×60 inches 2010. Quelle: www.paglen.com/?l=work&s=drones&i=6