Abstract

In der frenetischen Öffentlichkeit des Streaming-Zeitalters wird das Kunstobjekt zum Token und zur Kulisse für Inszenierungen von „Kunst“. Seine Aura überträgt sich auf Institutionen und Galerien, also auf alles, wo sich „Kunst“ ereignet. Das wird an Fallbeispielen wie der Schirn Kunsthalle und der König Galerie beschrieben. Während in der beschleunigten 11 Zirkulation die Verhältnisse von Zeichen und Bedeutung weiter brüchig werden, womit sich neue künstlerische Freiheiten auftun, wächst zugleich der Drang zu Verknüpfung, schneller Identifikation und zum Einschreiben in bestehende Formate nach der Logik der Brand. Was ist künftig die Rolle des Kunstobjekts, wenn Posting und Performance die dominanten Formen sind? Wie kann es auf Höhe der Zirkulation wirken und wie kann es, statt bestehende Rahmen zu füllen, deren Brüchigkeit erkunden?

Info

Kolja Reichert (*1982) ist Kunstredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Vorher arbeitete er als Kunstkritiker und Autor unter anderem für Spike Art Quarterly, frieze d/e, Welt am Sonntag, art und Tagesspiegel.