Abstract

Der Vortrag geht von der Frage aus, inwiefern im Prozess der Ausstellungsproduktion das kuratorische Subjekt in der Ausstellung – gemeint ist das Ausstellungsdisplay – erfahrbar wird. Die daraus abgeleitete These ist, dass Kurator*innen kraft Ein-Bringung in das ausgestellte Kunstwerk dasselbe mitverhandeln, es konstituieren, insofern sie es einer Öffentlichkeit verfügbar machen. Das Kuratieren, so die Schlussfolgerung, hat dann das künstlerische Potential, Sicherheiten über Autor*innenschaft außer Kraft zu setzen – das Kunstwerk wird hier zu einem kollektiv produzierten. Der Vortrag nimmt die These nach der Subjektivierung der Kurator*in als sich einbringend auf, um sie explorativ-experimentell auf die Probe zu stellen: Unter welchen Bedingungen wäre ein Programm denkbar, das kuratorische Praktiken algorithmisch stützt? Lassen sich kuratorische Praktiken so systematisieren, dass sie vorhersagbar sind? Inwiefern wird das schöpferische Potential geistiger wie kreativer Arbeit des Subjektes durch Algorithmen und ihre Produzent*innen antizipiert oder unterminiert? Die Analyse richtet sich auf wiederkehrende Abläufe in der kuratorischen Praxis und Parameter, die eine erfolgreiche Ausstellung konstituieren (können). Die Parameter generieren sich aus Expert*innen-Interviews, der Ausstellungskritik sowie Archiven für kuratorische Praktiken. Insbesondere die Frage nach der Existenz solcher Archive und nach deren produktivem Potential ist hier leitmotivisch implementiert. Die Methoden und deren Ergebnisse bilden die Grundlage für die Konzeption eines Programmes, das die kuratorische Arbeit stützt. Mithilfe eines Datensatzes von Ausstellungen, ihren zugrundeliegenden Konzepten sowie ihrer feuilletonistischen Besprechungen sollen sich erfolgsversprechende Ausstellungskonfigurationen analysieren lassen.

Info

Benjamin Egger (M.A.), geb. 1987, ist seit 2017 akademischer Mitarbeiter im BMBF-Projekt “Postdigitale Kunstpraktiken in der Kulturellen Bildung. Ästhetische Begegnungen zwischen Aneignung, Produktion und Vermittlung” an der FH Potsdam. Seinen Master im Kooperationsstudiengang Europäische Medienwissenschaft der Universität Potsdam und FH Potsdam schloss er 2017 mit einer theoretisch-praktischen Arbeit zum Kuratieren als Form eines ästhetischen Denkens ab. Im Bachelor studierte er Theaterwissenschaft und Spanische Philologie an der Freien Universität Berlin und Universidad de Murcia. In seiner explorativ-experimentellen Promotionsarbeit beforscht er Einflüsse algorithmischer Systeme auf kuratorische Praktiken sowie auf die Künste und untersucht Potentiale eines algorithmisch gestützten Kuratierens.