Abstract

Netz, Akku, Likes – diese Grundbedürfnisse von Digital Natives verweisen auf wesentliche Devisen unserer Zeit: always connected, always on, möglichst up-to-date und dabei originell zu sein. Unter den aktuellen Bedingungen der Digitalisierung und Globalisierung sind Menschen und Arbeit zunehmend mobil und flexibel geworden. Diese Entwicklungen begünstigen wiederum die fortschreitende Entgrenzung von Arbeit und Freizeit, Spaß und Pflicht. Wollen und Müssen sehen sich für viele mittlerweile zum Verwechseln ähnlich.
Längst machen sich ökonomische Prinzipien auch im Alltag bemerkbar. Sie werden wirksam beim morgendlichen Blick in den Spiegel und beim Griff in den Kleiderschrank – man will_muss schließlich gut aussehen (ohne dabei allzu bemüht zu wirken). Kuratorische Praxis beginnt beim Frühstück, sorgsam angerichtet für Instagram, und beim ersten Facebook-Post – die visualisierte Laufstrecke noch vor der Fahrt ins Büro. Unaufhörlich arbeiten wir, um mitzumischen und dabeizubleiben, für soziale und berufliche Anerkennung, aber auch für die eigene „Story of my Life“, inszenieren uns und unsere Leistungsfähigkeit. Dabei scheinen Individuen und (ihre) Arbeit in der Erzählung über Selbst-verwirklichung quasi-magisch verbunden. In meinem Beitrag skizziere ich Überlegungen zu ästhetischer Arbeit im Alltag und setze diese in Bezug zu aktuellen künstlerischen Strategien. Dabei geht es immer wieder um Aspekte des Mindsets vom unternehmerischen Selbst im Kontext von ästhetischer Arbeit und Sinnproduktion innerhalb der Rate-Comment-Subscribe-Kultur und um die Frage, welche Bedeutung diesen Perspektiven für eine zeitgemäße ästhetische Bildung innewohnen könnte.

Der Vortrag war Teil der Jahrestagung der wissenschaftlichen Sozietät Subjekt Medium Bildung an der Universität zu Köln. Die Veranstaltung trug den Titel „Where The Magic Happens“ und beschäftigte sich mit Bildung nach der Entgrenzung der Künste. Mehr Informationen finden Sie hier: http://kunst.uni-koeln.de/magie/

Info

Kristin Klein, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität zu Köln; Studium der Kulturwissenschaft, Kunstpädagogik, Germanistik und Bildungswissenschaften in Berlin, Dresden und Boston; Arbeitsschwerpunkte: Kunst und Bildung im Internet State of Mind, immaterial labor, mixed reality.