Abstract

Der Mensch entdeckt, erkundet, forscht, beschreibt, vergleicht, vermutet, erprobt, deutet und das ständig unter einem vernetzten Abgleich all dieser Informationsflüsse. Unsere Wahrnehmungsorgane betreiben per se ästhetische Forschung und je mehr wir uns für eine Sache interessieren, desto präziser und nachhaltiger entwickeln sie sich… aber das weiß doch jedes Kind!

Auf der Schulebene zeichnen sich unsere Kunstcurricula jedoch durch eine vornehmlich strikte Trennung zwischen künstlerisch-praktischer und prozessorientierter, wissenschaftlicher und fächerübergreifender Arbeit aus und Projektarbeit findet – wenn überhaupt – nur in einem zeitlich fest abgesteckten Rahmen statt. Das gilt für alle Fächer. Unter all diesen Umständen haben wir es mit Lehr- und Lerninhalten zutun, die additiv und kaum vernetzt behandelt werden (können). Gründe dafür sind konzeptueller, zeitlicher und planungsimmanenter Natur, die „Schule“ mit sich bringt, was wiederum kontraproduktive Auswirkungen auf persönliches, kulturelles und authentisches Wachsen hat. Ist es möglicherweise so, dass selbst unser etablierter Kunstunterricht diesen komplexen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird?

Wie kann man Erkenntnisse aus Wahrnehmungstheorie, Neurowissenschaften und der Ästhetischen Forschung sowohl lehr- und lerntheoretisch als auch -praktisch so vermitteln, dass sie zum Leitfaden eines etablierten Unterrichtfaches werden und curricular verankert sind?

Ein Duisburger Gymnasium hat im Schuljahr 2010/11 das Fach Forschen und Darstellen im Jahrgang 8 und 9 als Unterrichtsfach etabliert. Katharina U. Middendorf hat das Fach zusammen mit ihrer Fachschaft Kunst konzipiert. Sie gibt in ihrem praxisorientierten Vortrag einen Einblick in das Unterrichtskonzept des Faches, skizziert die Implementierung und präsentiert sowohl konkrete Beispiele zu prozessorientierten Schülerprojekten als auch kriteriengestützte Möglichkeiten zur Evaluation von Schülerleistungen.

Info

Katharina U. Middendorf, Studium der Kunsterziehung, Hispanistik, Biologie und Freien Kunst an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, TU Aachen und Kunstakademie Düsseldorf. 1983 Erstes Staatsexamen Kunst und Spanisch. Freischaffende Künstlerin, Filmautorin und Privatdozentin, Barcelona-Köln. 2007 Zweites Staatsexamen Kunst und Spanisch. Seit 2008 Lehrerin am Abtei-Gymnasium Duisburg-Hamborn, Fächer: Kunst, Forschen und Darstellen (Foda) und Spanisch, Sek.I und Sek.II. SJ 2010/11 Implementierung des Faches Forschen und Darstellen (Ästhetische Forschung) als Unterrichtsfach in der Mittelstufe; SJ 2015/16 Implementierung Skype Classroom als digitales Medium für alle Unterrichtsfächer