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Gastvortrag von Aljoscha Weskott: Intensive Bildmilieus: Zur Aktualisierung des Susan Sontag-Begriffs „Ökologie der Bilder“

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In meinem Vortrag möchte ich die Allgegenwart digitaler Bilder aus einer medienökologischen Perspektive beleuchten. Die sich rhizomartig ausbreitenden digitalen Bilderströme sind nicht allein auf Zurichtung und Kontrolle ausgerichtet; in diesen medienökologischen Bild-Assemblagen gibt es auch Möglichkeiten experimenteller Existenzweisen jenseits der Funktionsweisen von Kontrollgesellschaften. Die Prämisse meines Arguments ist Marshall McLuhans medienökologische Erkenntnis, dass technisch-mediale Infrastrukturen als Netzwerk von Bedingungen zu verstehen sind.

Digitale Bilder sind im Sinne Gilles Deleuze‘ als dividuell zu bezeichnen; sie können nie immobilisiert, nie individualisiert werden und befinden sich in permanenter Transformation und Modulation. Diese Bildtechnologien durchqueren Menschen und Kulturen und nutzen sie als Informationsquellen und Schnittstellen im Sinne einer ökonomisierten und sicherheitsgesteuerten Bevölkerungspolitik. Gleichzeitig modellieren sich Personen durch den Einsatz von Technologie affektiv und können sich unter Umständen euphorisch in eine medienökologische Assemblage integrieren. Die Idee, Bilder als Teil größerer Zusammenhänge zu erfassen, ist nicht neu. Eine „Ökologie der Bilder“ wird von Susan Sontag bereits nachdrücklich gefordert (Sontag 2010), obwohl für Sontag eine „Ökologie der Bilder“ ein zu regulierendes Ökosystem ist, in das ethische Interventionen ergriffen werden sollten, um „gute“ von „schlechten“ Bildern zu trennen. Ich möchte diesen später von Sontag revidierten Begriff aktualisieren. Eine „Ökologie der Bilder“ ist heute als eine variable Ontologie zu verstehen. Das bedeutet, die sensorischen digitalen Bildmaschinen als affektive Umgebungen zu begreifen. Eine solche Perspektive impliziert zugleich eine Vernetzung sozialer Prozesse mit der Bilderwelt, sei es im Modus der Kontrolle, der Öffnung des Zugangs oder der Verbindung. Wenn sich digitale Bilder zunehmend mit persönlichen Existenzen verflechten, dann können diese Bildmaschinen für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Für Flüchtlinge versprechen das Smartphone und für queere Bewegungen wie „Otherkins“ digitale Bildassemblagen Wege in ein besseres Leben oder in neue Geschlechter- und Körperidentitäten. Diese ästhetischen und politischen Praktiken basieren auf der Komplexität digitaler Medienumgebungen, die sowohl subversive Aneignungsmöglichkeiten als auch normative Kontrollfunktionen beinhalten.

 

Dr. Aljoscha Weskott ist Kulturwissenschaftler und Filmemacher. Er promoviert über Melodramatische Bildräume am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der Bildenden Künste Wien. Aktuell forscht er über digitale Bilder und digitale Bildmaschinen im Zeitalter der Postkinematographie. Sein Film „Sunny Land“ lief im Forum der Berlinale 2010.

 

Veranstalter

Institut für Kunst & Kunsttheorie
Website:
kunst.uni-koeln.de

Veranstaltungsort

Labor für Kunst und Forschung
Dürener Str. 89
Köln, 50931 Deutschland
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Website:
http://www.laborfuerkunstundforschung.de/