Gastvortrag von Nanna Lüth am 04.12.2017: Ver/Kleidung in Un/Ordnung. Dress Codes und Körpernormen als Gegenstand ästhetischer Bildung

Ringvorlesung Ästhetische Erziehung
Mo, 04.12.2017 | 16:00 Uhr
Institut für Kunst und Kunsttheorie | Block A
Hörsaal 122 (2. 116) | Gronewaldstraße 2 | Köln

Seit gut zehn Jahren wird in Schweizer und deutschen Schulen verstärkt die Zulässigkeit von bestimmten Kleidungsstücken diskutiert und durch Selbstverpflichtungen oder Modeberatungen reguliert. „Hierbei werden geschlechterspezifische Körper-, Verhaltens- und Modenormen für Pädagog_innen in Kollegien abgestimmt und festgeschrieben. Den Schüler_innen hingegen werden in den meisten Fällen größere Freiräume zugebilligt, meist verknüpft mit der Erklärung, dass Kleidung ein Medium der Persönlichkeitsentfaltung sei. Die Maßstäbe, die dabei verhandelt bzw. reproduziert werden, sind geschlechtlich codiert und sexuell aufgeladen.“ (Lüth 2017, im Erscheinen)

In den USA, wo solche Dress Codes schon länger existieren, werden sie um ein Vielfaches häufiger verwendet, um Schwarze Schüler_innen zu disziplinieren als weiße (vgl. Rudd 2014). Von den Schüler_innenprotesten, die sich auch gegen die prinzipielle Sexualisierung weiblicher Teenager, die darin reproduziert wird, wenden (vgl. Brown 2017), lässt sich einiges lernen, um die Auswirkungen solcher vermeintlich oberflächlicher, weil modischer Einschränkungen zu berücksichtigen.

Angesichts dieser Beobachtungen fragt Nanna Lüth: Wie lässt sich eine antidiskriminierende, ästhetische Bildungsarbeit produktiv machen für eine vielseitige, sozial wie ökologisch verträgliche und selbstbestimmte Auseinandersetzung mit Aussehen, Kleidung und Körperlichkeit? Anschließend an eine kulturwissenschaftliche Einführung von Begriffen wie Style oder Drag wird sie Projektbeispiele und didaktische Materialien vorstellen, die die lustvoll-kritische Bearbeitung von Dress Codes und Körpernormen veranschaulichen.

Nanna Lüth, Prof. Dr. phil., Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin, Kunstvermittlerin
hat Fotografie (Bielefeld), elektronische Medien (London & Chicago), Kunst im Kontext (Berlin) studiert. 1999 Mitbegründerin von Kunstcoop©, Initiative für aktuelle Kunstvermittlung. 2001-07 künstlerische Mitarbeiterin des gendernet an der Universität der Künste Berlin. 2003-05 wiss. Begleitforscherin bei „Kinder machen Kunst mit Medien“, im Rahmen des KuBiM-Modellversuchs. Mitherausgabe der gleichnamigen Publikation. 2004-05 Ko-Kuratorin von „1-0-1 intersex – Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung“ (NGBK Berlin 2005). 2008-12 verantwortlich für die Kunstvermittlung für das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Oldenburg. 2011-13 Mitarbeit an dem Forschungsprojekt „Kunstvermittlung zeigen“/ Institute für Cultural Studies, Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2013 Juniorprofessur für Kunstdidaktik/Geschlechterforschung, Universität der Künste Berlin.

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